Großflughafen möchte »guter Nachbar« sein

Informationsveranstaltungen und individuelle Beratung zum Schallschutz versprochen

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 2 Min.
Die Anwohner des Airports BER sollen zügig vor Fluglärm geschützt werden. Die Auftragsbücher der Handwerker sind allerdings jetzt schon voll.

Am Mittwoch hob Infrastrukturministerin Katrin Schneider (SPD) das Engagement der Handwerkskammern bei der Umsetzung des Schallschutzprogramms am Großflughafen BER in Schönefeld hervor.

Nach Angaben der Flughafengesellschaft FBB wurden bis Ende vergangenen Jahres für 19 399 Wohneinheiten Anträge auf Schallschutz gestellt. Die FBB geht von 25 500 anspruchsberechtigten Wohneinheiten aus. Für 11 331 Einheiten wurden Vereinbarungen zur Kostenerstattung beziehungsweise Anspruchsermittlungen an die betroffenen Bürger versandt. Außerdem wurden für 4887 Objekte Entschädigung für Nutzungsbeeinträchtigungen im Außenwohnbereich beantragt.

Beim Schallschutzprogramm stellen sich viele bautechnische Fragen, sagte Ministerin Schneider. Beispielsweise beim Einbau neuer Fenster und Lüftungssysteme und zum fachgerechten Einsatz von Dämmstoffen. »Unser Ziel ist, dass der Schallschutz für die betroffenen Bürgerinnen und Bürger so zügig wie möglich umgesetzt wird«, erklärte Schneider.

Da die Baumaßnahmen technisch eine Herausforderung sind, ist es günstig, wenn die Baufirmen einen Ansprechpartner für ihre Fragen haben. »Ich freue mich, dass die Handwerkskammern hier unterstützend tätig werden«, sagte Schneider.

Flughafenchef Hartmut Mehdorn erklärte am Mittwoch: »Wir wollen die Antragsteller in die Lage versetzen, frühestmöglich Schallschutzmaßnahmen realisieren zu lassen. Dazu gehört der Versand der Anspruchsermittlungen in diesem Jahr genauso wie eine intensive Nachbarschaftsarbeit mit zahlreichen Informationsveranstaltungen und neuen individuellen Beratungsangeboten. Wir wollen 2015 mit einer verlässlichen Arbeit am Schallschutzprogramm zeigen, dass wir ein guter Nachbar sind.« 2014 hat es zehn Informationsveranstaltungen zur südlichen Startbahn gegeben, etwa in Blankenfelde, Schulzendorf und Schmöckwitz. 800 Bürger sind dorthin gekommen. Da die Auftragbücher der Handwerker derzeit voll sind, stellt sich die Frage, ob die Kapazitäten ausreichen, um bis 2017 - dem angeblichen Jahr der Inbetriebnahme des Flughafens - tatsächlich Zehntausende Gebäude schallgeschützt zu haben. Schon der Probebetrieb wäre mit einer deutlichen Lärmbelastung für die Anwohner verbunden. Zum Einsatz werden schwere und deshalb sehr laute Flugzeuge kommen, die bislang auf dem alten Flughafen Schönefeld kaum gestartet und gelandet sind.

Der Flughafenkoordinator der rot-roten Landesregierung, Staatssekretär Rainer Bretschneider, hat betont, dass es beim Lärmschutz um die Lebensqualität gehe. Gesundheitliche Schäden seien durch die weitgehenden Lärmschutzbestimmungen in Berlin-Brandenburg ausgeschlossen.

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