Eine Insel wird geboren

Durch den Ausbruch eines Unterseevulkans auf Tonga herrscht der König über 177 Eilande

Wochenlang hat der Unterseevulkan Hunga Tonga-Hunga Ha’apai im Pazifik-Königreich Tonga Asche und Lava gespuckt. Die Macht der Eruption formte eine neue Insel.

Von Barbara Barkhausen, Sydney

176 Inseln nannte der König von Tonga bisher sein eigen. Seit Januar ist nun noch Nummer 177 dazugekommen. Die neue Insel soll fast völlig aus Asche bestehen, erste Bilder zeigen eine grau-schwarze Masse, die mehr einer Halde als einer Insel gleicht.

Trotzdem ist die Aufregung um die neue, rund zwei Kilometer lange Insel groß. »Die Schönheit der Natur war einfach überwältigend«, schrieb die Tonganerin Fatai Fainga’a, die die Gewässer vor der Insel mit einem Boot besucht hat, auf ihrer Facebook-Seite. Sie veröffentlichte eine Serie an Fotos, die zum Renner in dem sozialen Netzwerk wurden.

Der Unterseevulkan Hunga Tonga-Hunga Ha’apai, der knapp 65 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Nuku’alofa liegt, hatte seit Mitte Dezember für Unruhe gesorgt. Im Januar hatten Eruptionen mit bis neun Kilometer hohem Gesteins- und Ascheausstoß den Flugverkehr zeitweise unterbrochen. Inzwischen ist der Vulkan wieder zur Ruhe gekommen - das Ministerium für Land und natürliche Ressourcen Tongas gab am Mittwoch offiziell bekannt, dass die Eruption zu Ende sei. Bei einem Besuch der Region habe man »kein Zeichen mehr von Asche, Gas oder Dampf aus dem Schlot der neugeformten Insel beobachtet«.

Zurückgelassen hat die Macht der Natur jedoch die neue Insel. Bisher konnte niemand einen Fuß auf sie setzen. Noch war das Meer zu aufgewühlt für eine Landung, hieß es. Satellitenbilder und Aufnahmen von einem Boot zeigten nur, dass die neue Insel zwischen den Inseln Hunga Tonga und Hunga Ha’apai liegt, 120 Meter hoch, zwei Kilometer lang und eineinhalb Kilometer breit ist im Westen ist sie mit Hunga Ha’apai verbunden.

Laut Ministerium sind derzeit alle drei Inseln mit schwarzer Asche von der Eruption bedeckt, während derer Hitze, Gase und Ascheregen sämtliche Vegetation auf Hunga Tonga und Hunga Ha’apai abgetötet haben. Welche anderen physischen Eigenschaften die neue Insel hat, ließ sich noch nicht feststellen. Vulkanologen gehen augenblicklich davon aus, dass die Insel keine lange Lebensdauer hat. Sie werde erodieren, da sie vermutlich zu großen Teilen aus Asche und nicht erhärteter Lava bestehe, berichtete »Matangi Tonga Online«.

Tonga liegt am Pazifischen Feuerring und erfährt häufig seismische Erschütterungen. Beben und Vulkanausbrüche sind keine Seltenheit. Auch dass sich vollkommen neue Landbereiche durch einen Vulkanausbruch bilden, kommt immer wieder vor.

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