Bubka fordert Coe heraus

Beide Vizepräsidenten wollen auf den Chefsessel der Weltleichtathletik

  • Von Ulrike John, Kiew
  • Lesedauer: 3 Min.

Sergej Bubka tritt im Kampf um das Präsidentenamt beim Leichtathletik-Weltverband IAAF gegen Sebastian Coe an. Der 51-jährige Ukrainer erklärte am Mittwoch offiziell seine Kandidatur und fordert damit bei der Wahl im August in Peking den 58-jährigen Briten heraus. »Ich strebe die IAAF-Präsidentschaft an, weil ich der Leichtathletik-Welt, die mir so viele Chancen mein ganzen Leben hindurch gegeben hat, etwas zurückgeben möchte«, sagte Bubka.

Beim IAAF-Kongress vor den Weltmeisterschaften in Peking wird Amtsinhaber Lamine Diack nicht wieder kandidieren. Der 81-Jährige aus dem Senegal steht seit Dezember 1999 an der Spitze des Weltverbandes. Bubkas Kandidatur war erwartet worden: Der Olympiasieger von 1988 und sechsmalige Weltmeister hat es wie kaum ein anderer Weltklassesportler geschafft, in der Funktionärswelt Karriere zu machen. »Bubka war ein herausragender Sportler und hat große Erfahrung in der Organisation des internationalen Sports gesammelt«, sagte sagte Clemens Prokop, der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes und fügte an: »Ich bin sehr gespannt auf sein Programm.«

Seit 2001 gehört Bubka dem IAAF-Council an, seit 2007 ist er Vizepräsident. Außerdem führt er das Nationale Olympische Komitee der Ukraine an und sitzt im IOC. Allerdings würde er nicht ganz unbelastet in den Wahlkampf gehen: Vergeblich hatte sich Bubka im September 2013 um die Präsidentschaft im Internationalen Olympischen Komitee beworben. Der Tauberbischofsheimer Thomas Bach gewann damals das Kandidatenrennen.

Der Ukrainer, dessen Freiluft-Weltrekord von 6,14 Metern von 1994 noch immer gültig ist, will die Arbeit seines Vorgängers ausbauen, »um zu gewährleisten, dass die Leichtathletik und ihre Leitung Weltklasse sind und ein Vorbild für andere im Hinblick auf Verbandsführung, Transparenz und Ethik«. In der Mitteilung auf Bubkas Homepage sind aber mehr seine Verdienste aufgezählt als Inhalte eines Programms. »Wir müssen die Basis mehr unterstützen, um die nächste Generation der Athleten zu inspirieren«, erklärte er noch. »Wir müssen uns mehr bei den jungen Leuten engagieren und neuen Zielgruppen erschließen. Und wir müssen den sauberen Sport gewährleisten.«

Sebastian Coe hatte im November umfassende Reformen im Fall seiner Wahl angekündigt. Die Leichtathletik kämpft seit Jahren um Zuschauer und Fernsehzeiten. Coe kandidiert als hochgelobter Organisationschef der Olympischen Spiele 2012 von London, er will Bewegung in die IAAF bringen. Der 1500-Meter-Olympiasieger von 1980 und 1984 ist überzeugt davon, dass die Leichtathletik »in eine neue Ära« eintreten könne, und zuversichtlich, dass sie eine »brillante und aufregende Zukunft« habe.

Auch Coe ist bereits Vizepräsident des Weltverbandes. Prokop, der im August im IAAF-Council das bisherige Mitglied Helmut Digel ablösen will, hält viel von ihm und betonte bereits mehrfach: »Ich glaube, dass er hervorragende Voraussetzungen für das IAAF-Amt hat. Bei den London-Spielen hat er herausragendes Organisationsgeschick und Innovationskraft bewiesen. Er hat das Potenzial, die notwendigen Reformen einzuleiten.« dpa/nd

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