Unkonventionell

PERSONALIE

Haushaltslöcher werden zu den ständigen Begleitern des neuen griechischen Finanzministers Gianis Varoufakis gehören. Nur einen Tag nach der Ernennung des 53-Jährigen durch Ministerpräsident Alexis Tsipras machte ein Mitarbeiter des Ministeriums darauf aufmerksam, dass vier Milliarden Euro in der Staatskasse fehlten, weil Bürger in Erwartung eines linken Wahlsieges fällige Steuern nicht gezahlt hätten.

Dies macht deutlich, dass Varoufakis den unbequemsten Posten in der neuen Regierung bekleiden wird. Nicht nur muss er die Wahlversprechen des Linksbündnisses SYRIZA mit dem vorhandenen Geld austarieren, sondern er soll auch mit Vizepremier Giannis Dragasakis die schwierigen Verhandlungen mit der Eurogruppe über eine Abkehr von der Austeritätspolitik sowie einen erneuten Schuldenschnitt führen. Varoufakis sieht es aber nicht als Problem, sondern als »große Herausforderung« an, wie man die »sozialen Folgen verringern kann, die überall in Europa unnötig sind«.

Er wird in Brüssel einen harten Stand haben, auch wenn sich der durchtrainierte Hobbysportler locker auf internationaler Bühne bewegt. Der gebürtige Athener mit griechischem und australischem Pass promovierte 1987 an der Universität von Essex in Ökonomie, bevor er nach Cambridge ging, sowie bis 2000 an der Universität von Sydney lehrte. Seither ist er Professor in Athen, lehrt seit 2013 auch an der Universität von Texas in Austin. In englischsprachigen TV-Sendern ist er als kenntnisreicher und pointiert formulierender Gesprächspartner geschätzt.

Als Keynesianer mit Hang zu unkonventionellen Ideen, wie sein Werk zur Finanzkrise »Der globale Minotaurus« zeigt, lehnt Varoufakis die Austeritätspolitik aus Gründen ökonomischer Vernunft ab. Ohne Wachstum, sagte er mal, werde Griechenland keinen Cent der Kredite zurückzahlen. Sachverstand mit dem harten Ministergeschäft unter einen Hut zu kriegen, wird die eigentliche Herausforderung sein. Unkonventionell will er bleiben: Seinen Blog werde er weiterführen: seltener, aber mit »pikanteren Ansichten, Kommentaren und Einblicken«.

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