Deutsche Verhältnisse: Hoffen auf Spannung nur noch im Konjunktiv

Selbst die ärgsten Verfolger des FC Bayern München gestehen zum Rückrundenauftakt ihre Chancenlosigkeit. Aber nicht alles ist eine Frage des Geldes

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 4 Min.
Ende der Winterpause in der Fußball-Bundesliga: Die Klubs mit den größten internationalen Zielen eröffnen die Rückrunde am Freitag.

Nie war die Bundesliga zuletzt spannender als an diesem Freitag. Natürlich, weil nach 40 Tagen Winterpause der Ball wieder rollt. Und auch, weil zum Rückrundenauftakt die Chance besteht, dass der zweitplatzierte VfL Wolfsburg mit einem Sieg gegen den FC Bayern München den Rückstand auf den Rekordmeister auf acht Punkte verkürzen könnte. Borussia Dortmund könnte im neuen Jahr gleich mal den Abwärtstrend stoppen. Erste Gelegenheit bietet das Spiel am Sonnabend beim Tabellendritten Bayer Leverkusen.

Mehr als vage Vermutungen sind das nicht. Im Titelrennen steht die Hoffnung auf Spannung mehr denn je im Konjunktiv. Gerade die grauenvolle Hinrunde von Dortmund mit nur vier Siegen aus 17 Spielen ließ die Befürchtungen um noch größere Langeweile im deutschen Fußballoberhaus wachsen. Der BVB war aber auch vor dieser Saison nur noch gefühlt der letzte ernsthafte Konkurrent der Münchner. Aus den vor drei, vier Jahren gefürchteten spanischen Verhältnissen mit nur noch zwei ernsthaften Titelkandidaten sind längst deutsche geworden: Der Meister kommt aus München. Schon in den vergangenen beiden Spielzeiten hatte der FC Bayern zur Halbzeit neun und zehn Punkte Vorsprung, Zweiter war jeweils Leverkusen. Nun sind es elf Punkte.

Auch beim Bayer-Werksklub wurde in der Winterpause viel über den Zustand der Bundesliga diskutiert. Das Ergebnis: Alles bleibt, wie es ist. Es wird sogar noch schlimmer. »Es gibt eine Lücke, die kannst du nie mehr schließen. Das ist die zwischen Bayern München und dem Rest der Liga«, sagte Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler. Allein die nationalen Einnahmen aus der Vermarktung der Fernsehrechte und durch Sponsoren würde dem FC Bayern reichen, um seine Vormachtstellung hierzulande zu zementieren. Überall ist er mit Abstand die Nummer eins.

Und da nun mal der größte Haufen schon in München liegt, scheißt der Geldteufel einfach weiter drauf. Anfang Januar bekam der FC Bayern für die Abstellung all seiner Nationalspieler zur WM rund 1,47 Millionen Euro überwiesen - mehr als jeder andere Verein weltweit. Sehr viel schwerwiegender sind die Einnahmen aus der Champions League. Dort verdiente der FC Bayern in der vergangenen Saison über 44 Millionen Euro, fast 20 Millionen mehr als Leverkusen und der FC Schalke 04. Im Vergleich dazu: In der Europa League erspielte der finanziell erfolgreichste Klub Eintracht Frankfurt gerade mal 7,3 Millionen Euro.

»Fakt ist: Geld schießt Tore.« Diese Erkenntnis kam in der Winterpause Schalkes Vorstandsvorsitzendem Clemens Tönnies. Nimmt man den Lizenzspieleretat von Bayern München, der mit 160 Millionen Euro doppelt so hoch ist wie der des FC Schalke 04, dem zweitplatzierten in diesem Ranking, könnte man Tönnies noch folgen. Aber wie erklärt sich dann, dass der FC Augsburg mit einem Etat von 19 Millionen Euro in den vergangenen anderthalb Jahren 79 Punkte erspielt hat, Schalke 04 mit fast 60 Millionen mehr aber nur zwölf Punkte mehr? Eben: Man muss mit Geld auch kompetent umgehen können. Und genau das ist auch eine große Stärke der Münchner.

Langweilig wird’s dem FC Bayern selbst an der Spitze nicht. »Es ist oftmals schwieriger, gegen unsere Trainingsmannschaft zu gewinnen als gegen einen Gegner in der Bundesliga«, gestand Thomas Müller. Ob der nationalen Konkurrenzlosigkeit orientieren sich die Münchner auch sportlich am internationalen Geschäft. Dafür steht der Transfer von Joshua Kimmich. Für den 19-jährigen Mittelfeldspieler, der noch vom VfB Stuttgart an RB Leipzig verliehen ist, zahlte der FC Bayern 8,5 Millionen Euro. Und auch im Poker um den 16-jährigen Norweger Martin Ödegaard hatten die Münchner mitgeboten. Klubs wie der FC Chelsea, der FC Barcelona oder Real Madrid, wo Ödegaard jüngst unterschrieben hat, decken sich schon seit Jahren mit Talenten ein.

Bayerns Gegner am Freitag, der VfL Wolfsburg, versucht, ähnliche Wege zu gehen - zumindest in Sachen Vermarktung. Für 1,5 Millionen Euro kam Xizhe Zhang nach Niedersachsen. »Es ist natürlich auch im Interesse unseres Sponsors VW, der ja in China einen riesigen Absatzmarkt hat«, sagte Manager Klaus Allofs dazu. VW hatte auch Bayerns umstrittene Testspielreise nach Riad finanziert.

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