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Ignoranz und Geschichtsvergessenheit

Wolfgang Bittner fragt, wem die Krise in der Ukraine nützt

  • Von Karl-Heinz Gräfe
  • Lesedauer: 3 Min.

Angesichts der noch immer einseitigen und regierungsparteiischen Informationspolitik der herrschenden »Medienfront« in Deutschland ist die Arbeit des Göttinger Schriftstellers und Publizisten Wolfgang Bittner für die Wahrheitsfindung über Ursachen, Akteure und Hintergründe der Ukraine-Krise, die sich bereits zu einem gefährlichen und leidvollen Bürgerkrieg ausgeweitet hat, unentbehrlich.

Der Autor ist überzeugt: Politiker und Militärs der USA und in ihren Schlepptau auch Deutschlands samt der EU­-Führung inszenierten in Kiew den Staatsstreich, hievten ihre Einflussagenten in ein rechtsnationalistisches Regime mit erkennbarer völkisch-faschistischer Einfärbung, die Krieg gegen die eigene Bevölkerung im Südosten des Landes führen. Nach der Methode »Haltet den Dieb« macht der Westen aber den russischen Präsidenten Wladimir Putin für die Besorgnis erregenden Zustände verantwortlich. Pauschale, unbewiesene Behauptungen sind der Vorwand einer extremen Feindpropaganda und eines Wirtschaftsboykotts, der sich noch als Bumerang erweisen wird. An den Westgrenzen Russlands werden NATO-Truppen aufgefahren und Spezialeinheiten für einen neuen »Krieg gen Osten« vorbereitet.

Bittner weist in seiner profunden Publikation nach, dass die in Berlin residierende Große Koalition wider deutsche Grundinteressen und wider das Grundgesetz als willfähriger Vasall die US-Konfrontations- und Lügenpolitik aktiv mitmacht. Haben die Politiker an der Spree vergessen, dass im vergangenen Jahrhundert Deutschland schon zweimal die östliche Großmacht bekriegte und ausplünderte und schließlich eine bittere Niederlage erlitt? Bittner fragt sich und seine Leser zudem: Wer hätte noch vor wenigen Jahren gedacht, dass solche schandbare, schamlose Ignoranz und Geschichtsvergessenheit wieder um sich greifen?

Der ehemalige US-Botschafter in Moskau und Historiker Jack Matlock konstatiert unmissverständlich: »Wenn China anfangen würde, eine Militärallianz mit Kanada und Mexiko zu organisieren, würden die USA das nicht tolerieren. Wir würden uns auch nicht auf abstrakte Prinzipien von internationalem Recht beschränken lassen. Wir würden das verhindern. Putin handelt so wie jeder russische Verantwortliche unter diesen Umständen handeln würde.«

Dem deutschen Bürger ist in voller Absicht von den hiesigen Medien die grundlegende Rede Putins zum Beitritt der Krim zu Russland vorenthalten worden; Bittner hat sie neben anderen aufschlussreichen Dokumenten seiner Publikation als Anlage beigefügt. Nicht der Anschluss der Krim an Russland im Zuge eines Referendums war Völkerrechtsbruch, sondern die systematische Außerkraftsetzung der Völkerrechtsordnung von Jalta 1945 im Zuge der Zerstörung der UdSSR, an der neben unbesonnenen russischen Politikern auch ukrainische und belorussische beteiligt waren.

Bittner bietet einen exakten chronologischen Ablauf der Ukraine-Krise seit 2013. Er kommt zu einem ähnlichem Fazit wie einige unabhängige kritische Journalisten, Politiker, Militärs, Friedensforscher oder Künstler, darunter renommierte Namen wie Albrecht Müller, Noam Chomski, Helmut Schmidt, Egon Bahr, Konstantin Wecker, Raymond McGovern und Norman Birnbaum. Bittner enthüllt das Versagen respektive den Unwillen westlichen Medien, die diversen politische und wirtschaftliche Interessen zu durchschauen und offenzulegen. Gleich Noam Chomsky spricht er von einer Konsensfabrik, Manufacturing Consent: »Während die Brandstifter für die Ukraine-Krise unter den Politikern und Agenten der USA und der EU zu suchen sind, haben die Medien die Rolle der Brandbeschleuniger übernommen.« Die helfen bei der Verschleierung des strategischen Ziels der von den USA dominierten »transatlantischen Gemeinschaft«, ihr Einflussgebiet vom Baltikum über Polen bis zum Schwarzen Meer durch die Übernahme der Ukraine zu komplettieren. Was in der Ukraine geschieht, sei als Generalprobe für einen angestrebten Regimewechsel in Russland gedacht, meint sogar Henry Kissinger.

Wer sich authentisch informieren will, was in und um die Ukraine derzeit geschieht, sollte das Buch von Wolfgang Bittner lesen.

Wolfgang Bittner: Die Eroberung Europas durch die USA. Zur Krise in der Ukraine. VAT Verlag André Thiele, Berlin. 148 S., br., 12,90 €.

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