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Sieben Tage, sieben Nächte

Wolfgang Hübner denkt über Bildung, Schule und ehrgeizige Eltern nach

  • Von Wolfgang Hübner
  • Lesedauer: 2 Min.

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Frau Müller muss weg, das haben wir inzwischen alle zur Kenntnis genommen. Der Film, beruhend auf einem erfolgreichen Theaterstück, schildert einen Elternabend, bei dem ehrgeizige Mütter und Väter die Klassenlehrerin ihrer Kinder wegmobben wollen. Dass der Film ein Kassenschlager werden würde, war einigermaßen klar, denn mit Schule kennt sich ja irgendwie jeder aus. Als Mutter oder Vater oder Lehrerin oder Lehrer, als Ex-Schüler oder Großmutter oder Großvater, als Anwohner eines Schulgeländes oder als besorgter Bürger oder als sonstwas. In den Charts schoss der Film nach oben; der nd-Rezensent empfand ihn als »gelungene Komödie« mit »schmerzbefreitem Ende«, in der die Grundangst der bürgerlichen Mittelschicht anklinge, »die sich nach oben strecken muss, um nicht nach unten gestoßen zu werden«.

Das ist schön herausgearbeitet, und eben weil es um die Mitte geht, um deren Beherrschung sich in der Politik alle streiten, und eben weil es beim Thema Bildung ja nur Betroffene gibt, manche sogar zutiefst betroffen, haben sich einige Redaktionen noch etwas mehr ausgedacht. Erlebnisberichte von traumatischen Elternabenden wurden aufgeschrieben, die davon handeln, dass erwachsene Menschen abends stundenlang demütigend in zwergenhaftes Grundschulmobiliar genötigt werden (im Folterbericht der US-Regierung heißt so etwas Fixierung in Stressposition), beaufsichtigt von einer Lehrerin, die natürlich auf einem Erwachsenenstuhl thront.

Abgesehen von den unerfreulichen Details ist aber ein Elternabend eigentlich keine schlechte Sache, die auch außerhalb von Schulen eine Überlegung wert wäre. Wir könnten beispielsweise die Eltern der nd-Mitarbeiter einladen, am besten sonnabends, wenn sonst niemand da ist. Die Eltern könnten einander kennenlernen und darüber sprechen, ob ihre Kinder hier am Franz-Mehring-Platz gut aufgehoben sind. Sie könnten die Atmosphäre begutachten, in der ihre Kinder arbeiten, denn mal ehrlich: Kinder bleiben doch für ihre Eltern zeitlebens Kinder. Immer. Und ewig. Und es kommt ja vor, dass die Kinder ihren Eltern nicht allzu viel erzählen. So dass Mutter und Vater ein ganz falsches Bild haben. Oder gar keins.

Das alles könnte bei einem zünftigen nd-Elternabend kompensiert werden. Die Eltern könnten dann auch die Schreibtische ihrer Kinder besichtigen. Dann würden sie sehen, ob sie bei der Erziehung alles richtig gemacht haben. Sie könnten sich bei der Gelegenheit gleich noch ein paar Redaktionskühlschränke anschauen oder Sehenswürdigkeiten wie die Geschirrecke und die Mikrowelle.

Das kann schöne Effekte haben. Zum Beispiel, dass es beim nächsten Familientreffen ein ganz neues Gesprächsthema gibt. Ehrlich, wir denken mal darüber nach. wh

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