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Das Geheimnis der wandernden Aale

Gerda M. Neumann lässt ihren neuen Krimi auf Fehmarn spielen

  • Von Irmtraud Gutschke
  • Lesedauer: 3 Min.

In ihrem vorigen Roman wurde viel Tee getrunken - »Windermere Grove« spielte ja auch zu Herbstzeiten in Norfolk. Hier nun verspeist Hobby-Detektivin Olivia Lawrence mit ihrer Freundin Amanda Cranfield auffallend viele Fischbrötchen, einmal auch Aal - aber nicht jenen, welcher … Doch dazu später.

Zuerst einmal muss gesagt sein, dass dieser fünfte Krimi von Gerda M. Neumann nach Fehmarn führt. Vielleicht hat die Autorin, die sonst regelmäßig in England ist und uns in späteren Büchern womöglich auch wieder dorthin mitnimmt, mal einen Urlaub dort verbracht und vom Ort Burg aus die Ostseeinsel erkundet. So wie es die beiden Damen im Buch auch tun, statt, wie sie es vorgehabt hatten, bald wieder zurück nach London zu fahren.

Sie machen sich Sorgen: Ein Freund, der Künstler Alexander Hyde, hatte sie vor einiger Zeit schon zur Enthüllung des Denkmals »Die Brücke« eingeladen, das er geschaffen hatte, und es war völlig unerklärlich, warum er zur Feier nicht erschienen war. Überhaupt wurde er schon seit einiger Zeit vermisst, ebenso wie zwei andere Männer, ein Immobilienmakler und ein Architekt, der auf der Insel eine Feriensiedlung bauen wollte. Sie waren nie wieder aufgetaucht. Damals schon hatte es ominöse Briefe von einer »Vereinigung Inselschutz« gegeben, und jetzt bringt die Vorsitzende der Bürgervereinigung, die die Plastik in Auftrag gegeben hatte, einen weiteren mit. Gleicher Absender: »Wir haben Alexander Hyde davon überzeugt, Fehmarn nie wieder zu betreten.« Könnte es sein, dass Alexander der Drohung Folge leistete und irgendwo in den Alpen malt? Oder ist er der dritte Tote innerhalb eines Jahres?

Was hat es mit der »Vereinigung Inselschutz« auf sich? Geht es um einen Schutz vor Touristen? Traf die Symbolik des Denkmals »Die Brücke« da einen wunden Punkt? Unglaublich eigentlich. Verrückt. Flaches Land, jeder kennt jeden. Auf so einer Insel bleibt doch kaum etwas unbemerkt. Was bleibt Olivia und Amanda da anderes übrig, als ausgedehnte Spaziergänge zu unternehmen und mit ein paar Leuten zu reden.

Und bald schon brodelte in Burg die Gerüchteküche. »Der Blaubart ist zurück auf Fehmarn«, titelte die Lokalzeitung. Denn in einer »Luderkuhle« wurden Leichenteile gefunden. »Luderkuhle«? Ein Ort, erfährt man später, wo ungenießbare Teile von gejagtem Wild vergraben sind. Ein Arm mit Resten von grüner Farbe. Jetzt wird’s gruslig. Da geraten die beiden Maler-Freunde Alexanders in Verdacht.

Wie schon der vorige ist auch dieser neue Krimi von Gerda M. Neumann spannend und dabei auch irgendwie geruhsam zu lesen. Eine unheimliche Mordgeschichte, aber bei ihrer Aufklärung ist wohltuenderweise alles Gewaltsame vermieden. An der Seite von Olivia Lawrence verfolgt man Spuren, trifft auf immer neue Rätsel und kann doch sicher sein, dass sich alles am Ende auflösen wird. Die Autorin hat wieder einmal das Kunststück vollbracht, das Genre der klassischen englischen Detektivgeschichte in die Gegenwart zu bringen, wo eigentlich die Polizei das Monopol für kriminalistische Ermittlungen hat. Die ist die ganze Zeit vor Ort und kann am Schluss einen Erfolg für sich verbuchen, aber die entscheidenden Hinweise sind eben von Olivia gekommen, die früher schon mit Scotland Yard zusammengearbeitet hat.

Aufmerken möge man auf Seite 158 als sich eine schöne rothaarige Frau am Strand über einen toten Aal beugt. Denn mit Aalen haben die Mordfälle durchaus zu tun ebenso wie mit diversen Schnecken, die im Süßwasser leben. Und die Rothaarige mit den meerblauen Augen, die vornehmlich morgens gesichtet wird und die niemand zu kennen meint? Mit einer Prise Geheimnis ist das Buch gut abgeschmeckt.

Gerda M.Neumann: Schatten über Fehmarn. Ein Olivia-Lawrence-Fall. Prospero Verlag. 266 S., br., 15,95 €.

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