Werbung

Star der Generation Internet

Erstmals bei den Großen: Jan Böhmermanns Magazin wechselt von ZDFneo ins Hauptprogramm

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Es gibt da ein Gerücht, das hält sich so hartnäckig am Bildschirm wie »Der Alte«: Dem ZDF, heißt es, fehle der Mut, mit unkonventionellen Mitteln junge Zuschauer zu erreichen. Von wegen! Am heutigen Freitag holt sich das Zweite einen unverbrauchten Star der Generation Internet ins Hauptprogramm. Weil der geistig greise »Staatsanwalt« zur wahrnehmbaren Sendezeit erst noch die 1000. Folge der geistig veralteten »SOKO Leipzig« einläutet, bleibt für so viel Courage leider nur die Mitternacht und das als Wiederholung vom Vortag auf ZDFneo - aber hey: Jan Böhmermann erobert den Mutterkanal. Die Revolution beginnt.

Zumindest eine kleine. Denn, was die allseits gefeierte TV-Hoffnung im öffentlich-rechtlichen Nachwuchsalter von fast 34 Jahren künftig 34 Folgen lang kurz nach der »heute-show« liefert, enthält mehr Tempo, Tiefgang, Witz und Geist als alle Schmunzelkrimis auf allen Kanälen zusammen. Unterm Namen »Neo Magazin« läuft die mit dem Grimme-Preis ausgezeichnete Late-Night-Show zwar schon seit Ende 2013 auf ZDFneo. Mit »Royale« hintendran, neuem Studio und genretypischer Liveband soll es allerdings noch »musikalischer, schärfer, lustiger« werden, wie das ZDF stolz verkündet. Kaum zu glauben, aber denkbar.

Wenn Jan Böhmermann mit ausgewählten Gästen - zum Auftakt etwa die Brachialpopband Deichkind und der Discoschnellredner Ilja Richter - im Stakkato den Alltag kommentiert, zeigt das biedere Leitmedium nochmals jenes Potenzial, das es vielleicht doch noch vor dem Untergang in die Belanglosigkeit bewahren könnte. Der gebürtige Bremer ist schließlich nicht irgendein Moderator, der irgendwelche Worte zu irgendeiner Art Befriedigung irgendwelcher Sehgewohnheiten absondert - Jan Böhmermann ist eine Waffe. Besser: Seine Zunge ist es.

Ohne Punkt und Komma, aber selten ohne Sinn und Verstand formt sein Gehirn das Weltgeschehen zu Blendgranaten, die der Mund beherzt ins irritierte Publikum schleudert oder eben seinen Gesprächspartnern vor den Latz. Ein Konfliktbewältigungstraining, das bereits Gästen von Frank Elsner über Carolin Kebekus, Henryk M. Broder, David Garrett oder DJ Bobo bis hin zur blutjungen Bloggerin Joye Ilg alles abverlangte. »Ich mag den direkten Angriff, aber auch den leisen«, erklärt Jan Böhmermann sein Talent zum bissigen Gefasel mit höchstem Unterhaltungswert. Schon als Jugendlicher war er allerdings eher »subtil zerstörerisch als ein Klassenkasper«.

Genau davon konnten sich echte Nachteulen schon lange ein Bild machen, seit Lukas Podolski den WDR kurz vor der WM 2006 wegen einer Parodie des respektlosen Zynikers auf 1 Live verklagte. In den schwach beleuchteten Ecken des Hauptprogramms von EinsPlus bis ZDFkultur hat der notorische Schlipsträger seit jener Zeit seine Heimat entdeckt: im gefilmten Radio »Late-Line«, im Talkshowsessel neben der fabelhaften Charlotte Roche, improvisierend komisch am WDR-Rand. Dazu als Sidekick von Harald Schmidt oder den Herren Joko & Klaas. Überall dort also, wo fernsehferne Digital Natives von 15 bis 45 suggeriert wird, im Grunde gar nicht fernzusehen. Das gelang ihm dank gediegener Zeitverschwendung samt der hohen Kunst des fortwährenden Redens meist ganz gut.

So gut sogar, dass Jan Böhmermann ernsthaft als Nachfolger von Thomas Gottschalk und zuletzt auch noch von Markus Lanz gehandelt wurde. Doch für »Wetten, dass …?«, sagt er wie immer in maximalem Tempo ohne Haspeln, Ähs und Pausen, »bin ich zu glücklich in dieser Mischung aus Schutz- und Entwicklungsraum namens Sparte«. Große Shows auf großen Bühnen mit großem Publikum - das würde er am Ende doch nur kaputt machen und somit alles, »von dem ich glaube, es in den letzten Jahren richtig gemacht zu haben«.

Also eine ganze Menge. Als »Neo Magazin« kurz vorm Finale von »Wetten, dass …?« in die Winterpause ging, fragte Jan Böhmermann kaltschnäuzig, welches Datum Deutschland fortan als Tag der Befreiung feiern werde - den 13. Dezember oder den 8. Mai? Größer wird man damit im ZDF natürlich nicht. Kleiner auch nicht. Nicht mehr.

Neo Magazin Royale, ZDF, 0 Uhr.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!