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Das Abenteuer des Malens und Zeichnens

Galerie Leo.Coppi erinnert an Hans Laabs und Arno Mohr

Den 100. Geburtstag des einen und den 105. Geburtstag des anderen haben die Galerie Leo.Coppi veranlasst, zwei Berliner Meister zu würdigen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Hans Laabs, der 2004 im Alter von 89 Jahren starb - 30 Jahre (1953 bis 1983) lebte er auf der Balearen-Insel Ibiza, nur die Winter verbrachte er damals in Berlin -, geht spielerisch mit Farben und Formen um. Dagegen hat der Zeichner und Grafiker Arno Mohr - er starb neunzigjährig 2001 in Berlin, dem er sein ganzes Leben verbunden war - das Liebermann-Wort »Zeichnen ist Weglassen« in eine ihm gemäße Form umgesetzt.

Laabs ist unter dem strahlenden Eindruck des Südens zum Maler der beglückenden Fülle geworden. Für seine Figurenbilder benötigte er keine Modell, seine Köpfe sind keine Porträts, sie entstehen vor seinem geistigen Auge, Projektionen eines inneren Dramas, von einem atmosphärischen Farbraum umgeben, der auf die seelische Befindlichkeit der Dargestellten verweist.

In Laabs’ Arbeiten modelliert Farbe die Körper, schafft die Räume, bestimmt den Ausdruck, und diese Farbreflexe werden über das ganze Bild weitergeführt. Mit Lust betrachtet man die vibrierende Bewegung auf der Bildfläche, die Lebendigkeit des Geschehens, die feinen farblichen Nuancierungen. In seinen Landschaften, genauer seinen Seestücken, Impressionen aus der Insel-Zeit oder von seinen regelmäßigen Besuchen auf Sylt, gehen Himmel, Wasser und Strand ineinander über und doch umfängt die nur vage angedeuteten Figuren wie den Betrachter eine durchwehte Weite. Abstraktes und Gegenständliches bilden ein konstruktives Mit- und Gegeneinander, besonders in den Collagen, die aus zerrissenen und zerschnittenen Resten farbig eingestrichener Papiere hergestellt sind. »Kalkulierbare Ausgewogenheit mit einem starken Schuss Spontaneität«, sagt Laabs, »ist das, was ich möchte«.

Bei Arno Mohr wiederum verbirgt sich in der fast spielerischen Ungezwungenheit, der scheinbar flüchtigen, mit leichter Hand, oft als Bildstenogramme hingesetzten Zeichnung ein hohes Maß ständiger Lebensbeobachtung. In seinem »Lebenslauf« von 1960/61, jener Serie von 44 Kaltnadel-Radierungen im Postkartenformat, steckt er mit hintersinnigem Humor, Selbstironie und Sarkasmus die Haupt- und Nebenwege seines sich fast durch ein ganzes Jahrhundert erstreckenden Lebens ab.

Diejenigen, denen er sich verbunden, in deren Tradition er sich fühlte, hat er im »Künstlercafé« (1983, Kaltnadelradierung) alle zusammen gesetzt: Er selbst steht zeichnend am Klavier, vor dem Hanns Eisler sitzt, daneben Brecht, gegenüber Ernst Busch, dann Werner Klemke, Fritz Cremer, Elizabeth Shaw, Paul Dessau. Liebermann skizziert Fontane, auch Adolph Menzel hat sein Skizzenbuch bei sich, zwischen Fontane und Gerhart Hauptmann sitzt Käthe Kollwitz, hinter Fontanes Rücken Zille, dem wiederum Otto Nagel zugeordnet ist.

Immer wieder hat Mohr sich selbst gezeichnet: Aufgerichtet, über der Arbeit versunken, resignierend, aber nie sich aufgebend, vergeistigt, das Gesicht wie entmaterialisiert. Rechenschaft über sich selbst ablegend, verschlossen, in sich gekehrt, verletzbar, Zweifel und Selbstvergewisserung in einem.

Galerie Leo.Coppi, Auguststr. 83, 10117 Berlin, Di - Sa 12 bis 18 Uhr, bis 14. März (wegen Teilnahme an der Art Karlsruhe am 3. und 4. 3. geschlossen). www.leo.coppi.de

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