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Bürgernähe schnell mal eingespart

Seit Tagen wird im Kreis Mecklenburgische Seenpatte gegen Aus für Sozialämter protestiert

  • Von Winfried Wagner, Schwerin
  • Lesedauer: 3 Min.
Im größten Landkreis Deutschlands soll die Arbeit der Sozialämter in Neubrandenburg zentralisiert werden, drei Ämter in der Fläche sollen schließen. Der Landkreistag verteidigt den Sparplan.

Rund 150 Menschen haben in Waren erneut gegen die Schließung von drei Sozialämtern an der Mecklenburgischen Seenplatte und die umstrittene Zentralisierung in Neubrandenburg demonstriert. »Die Bürgernähe wird aufgegeben, aber ein Spareffekt ist uns bisher noch nicht belegt worden«, sagte Demo-Organisator Dieter Schröder am Donnerstag.

Im flächenmäßig größten Kreis Deutschlands will die Verwaltung in Waren, Neustrelitz und Demmin künftig nur noch Bürgerbüros mit je drei Sozialamtsmitarbeitern betreiben. Grund ist ein Sparkonzept - der Großkreis hat ein Defizit von mehr als 20 Millionen Euro.

Kritik an den Plänen kommt auch von Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege im Nordosten. »Die Zentralisierung der Sozialämter ist angesichts der weiten Wege ein Problem für das Klientel, für das öffentliche Verkehrsmittel nicht mehr existieren und das Autofahren zu teuer ist«, sagte Martin Scriba als Vertreter der Diakonie. Ähnlich äußerte sich Bernd Tünker als Geschäftsführer des Landesverbandes der Arbeiterwohlfahrt.

»Wenn Betroffene kommen, denen Strom oder Heizung abgestellt wurde oder die nichts mehr zu essen haben, denen muss sofort geholfen werden«, sagte Schröder. Er vermute, dass sozial Schwache die weiten Wege nach Neubrandenburg scheuen werden. »Dann gibt es weniger Fälle und man kann noch mehr Personal sparen«, sagte der Geschäftsführer des Lebenshilfswerkes in Waren, das rund 300 Behinderte betreut. Auf Transparenten forderten die Protestler unter anderem »Soziale Orte, statt soziale Worte«. Der Landkreistag Mecklenburg-Vorpommern verteidigte dagegen die Zentralisierung. Der Landkreis müsse sparen und dürfe selbst über die Organisation der Sozialämter entscheiden, sagte Sprecher Matthias Köpp in Schwerin. Jeder Kreis müsse aber die für ihn sinnvolle Struktur finden: »Man kann nicht Apfel und Birnen vergleichen.« Die Nachbarkreise Rostock und Ludwigslust-Parchim haben ihre Sozialämter bereits zentralisiert. Der Kreis Ludwigslust-Parchim betreibt elf Bürgerbüros zusammen mit Kommunen wie Sternberg, das zentrale Sozialamt ist in Parchim. »Es gibt kaum Beschwerden«, sagte ein Kreissprecher in Parchim.

Im Landkreis Rostock sitzt das Sozialamt in Bad Doberan, es gibt zweimal wöchentlich feste Sprechstunden in Güstrow. Hier seien die Verkehrsbedingungen günstiger als im Riesen-Kreis an der Seenplatte, der mehr als doppelt so groß wie das Saarland ist, hieß es. Für besonderen Unmut unter den Demonstranten sorgte eine Entscheidung des Neubrandenburger Landrats Heiko Kärger (CDU). Er hatte nach ersten Protesten den Umzug des Warener Sozialamtes um zwei Wochen auf kommenden Montag vorgezogen. Begründung: Niemand solle sich Hoffnung machen, dass Demonstrationen noch etwas bewegten. Auf einem Plakat im Amt werden Besucher derzeit darauf hingewiesen, dass niemand mehr zu sprechen sei, da gepackt werden müsse. dpa/nd

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