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Vier Laien anstelle eines Pfarrers

Dramatische Veränderungen im Bistum Magdeburg

  • Von Thomas Schöne, Halle
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Lage der Kirchen in Sachsen-Anhalt ist ernst. »Wir sind gegenwärtig in einem dramatischen Veränderungsprozess. Keiner weiß, wie die Kirche hier bei uns in 30 Jahren aussehen wird«, sagt der katholische Bischof des Bistums Magdeburg, Gerhard Feige. »Aber Kirche ist immer einem Gestaltwandel unterworfen. Angesichts sinkender Priesterzahlen wird uns bewusster, wie sehr alle Gläubigen Kirche sind. Darum versuchen wir auch, Laien noch stärker einzubeziehen.«

Heute gibt es im Bistum Magdeburg, das Sachsen-Anhalt und Teile von Sachsen und Brandenburg umfasst, noch 78 Priester für rund 86 000 Katholiken. »In einem gesellschaftlichen Umfeld, in dem 80 Prozent der Menschen keiner Religion angehören, ist das im deutschlandweiten Vergleich noch eine komfortable Lage«, so Feige.

Doch derzeit wird nur noch alle drei bis vier Jahre in Magdeburg ein Priester geweiht. »Junge Menschen wollen sich heute meistens nicht mehr so binden. Außerdem gibt es in einer freien Gesellschaft mehr Entfaltungsmöglichkeiten für den Einzelnen. Deshalb werden wir auf absehbare Zeit andere Lösungsmöglichkeiten suchen müssen.« Auf katholischer Seite gab es im Jahr 2013 genau 669 Kirchenaustritte. Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) registrierte auf dem Gebiet Sachsen-Anhalts im Jahr 2013 insgesamt 1938 Austritte.

Noch gibt es in der Evangelischen Kirche aus Sicht des Regionalbischofs Halle-Wittenberg, Johann Schneider, keinen Mangel an Geistlichen. Der größte Teil der Pfarrerinnen und Pfarrer werde seit 1990 im öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis beschäftigt. »Aber wir haben auch privatrechtlich Beschäftigte.«

Die Katholische Kirche begann bereits vor mehreren Jahren mit der Zusammenlegung von Gemeinden und der Errichtung neuer Pfarreien. »Inzwischen sind auch in den Pfarreien entsprechende Immobilien-Konzepte entwickelt. Wesentliche Entscheidungen werden dabei vor Ort gefällt«, sagt Feige.

Der katholische Pfarrer Magnus Koschig ist zuständig für sieben Gemeinden im nördlichen Halle und im Saalekreis. »In 20 bis 30 Jahren wird es hochgerechnet noch 20 Priester im Bereich von Sachsen-Anhalt geben«, schätzt Koschig. Dann würden kaum noch Kirchen benötigt. »Es wird Hauskirchen geben und die Gläubigen versammeln sich in Wohnungen, beten zusammen und lesen die Bibel.« Zugleich sagt er: »Ich wehre mich pauschal zu sagen, der Osten ist ungläubig und atheistisch geprägt. Freilich, hier ist die Gesellschaft in großen Teilen nicht kirchlich oder katholisch. Aber zu Weihnachten sind die Kirchen voll und auf Gräbern finden sich immer mehr Engel. Das würde es nicht geben, wenn die Menschen religionslos wären. Viele sind auf der Suche.«

Bischof Feige favorisiert für sein Bistum das Modell »VOlK« (Vor-Ort-lebt-Kirche). Laien übernehmen dabei in kleinen Gemeinden wesentliche Verantwortung. Inzwischen wird auch schon eine Pfarrei statt von einem Pfarrer von einer Gruppe aus vier Laien und einem Ordenspriester geleitet.

Auch für die Protestanten im Land ist der demografische Wandel ein Problem. »Gerade im ländlichen Raum leben oft wenig Christen. Seelsorger und Gläubige müssen immer größere Wegstrecken zurücklegen«, sagt Regionalbischof Schneider. Bei stärker zurückgehenden Zahlen der Gläubigen werde es so etwas wie Nachbarschaftstreffen außerhalb von Kirchen geben müssen. dpa/nd

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