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Zum Glück gibts noch den Schulbus

Sinkende Einwohnerzahl und geringere Nachfrage - wie kann ÖPNV da bezahlbar bleiben?

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 3 Min.
Der anhaltende Bevölkerungsrückgang in den ländlichen Gebieten stellt auch den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) vor neue Herausforderungen. Die Verkehrsbetriebe müssen reagieren.

Wer auf dem Lande von A nach B will, ist inzwischen meist auf den Schulbus angewiesen. Und Fahrten mit den »Öffentlichen« werden teurer werden. Dieses Fazit lässt sich aus einer Unterredung von Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (parteilos) mit Vertretern brandenburgischer Verkehrsunternehmen ziehen.

Der Vorsitzende des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (Ost), Werner Jumpertz, sprach in Potsdam unumwunden davon, dass die Zukunft des öffentlichen Verkehrs in den immer dünner besiedelten Regionen des Landes »mit einem Fragezeichen« versehen sei. Es müsse zu einer »Neueinteilung des Systems ÖPNV« kommen. Das gelte vor allem im südlichen Brandenburg, wo der Verkehr jetzt schon »besonders ausgedünnt ist«. Verschärft werde dies durch die Tatsache, dass sogar der Schulbusverkehr als letzte stabile Größe in den kommenden Jahren »deutlich abnehmen« werde.

Kritisch merkte der Verbandschef an, dass in der von Parteien oder Beratungsgesellschaften bestimmten Debatte oft genug »Teillösungen als Patentrezepte« angepriesen würden. Auch andere Landesteile hätten zu kämpfen. Ironisch zitierte Jumpertz den Spruch: »Gebt die Prignitz den Wölfen zurück«. Dies sei freilich nicht ernst gemeint, doch sollten die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen des demografischen Wandels bei der Umstellung des Verkehrs unmissverständlich klar gemacht werden, forderte er.

Ministerin Schneider äußerte vor den Unternehmensvertretern, dass der schienengebundene Personennahverkehr das Rückgrat bleiben werde und der Busverkehr sowie der innerstädtische Verkehr »darauf abgestimmt« werden müsse.

Das Land müsse auf die Entwicklung in Berlinnähe reagieren, wo wachsende Einwohnerzahlen und vor allem ein zunehmendes Berufspendleraufkommen inzwischen zu deutlich höheren Ansprüchen an den ÖPNV führten. Daraus ergäben sich unter anderem Forderungen nach einer Erweiterung der Kapazität von Bus und S-Bahn. Dagegen sei der ländliche Raum von Stagnation und Schrumpfung geprägt, so dass der Überlandverkehr heute noch »im Wesentlichen vom Schulbusverkehr« getragen werde. Die Ministerin forderte Bahn-Bus-Konzepte, die »auch außerhalb der Schulzeiten« ein Verkehrsangebot gewährleisteten. Zum Teil verfüge der ländliche Raum heute schon über »super Anbindungen«, die eine Vereinbarkeit von berlinfernerem Wohnen und Berufstätigkeit in Berlin durchaus gestatteten.

Angesichts des zu erwartenden weiteren Fahrgastrückgangs in den Weiten Brandenburgs »brauchen wir Ansätze, um den ÖPNV bezahlbar zu halten«, sagte Kathrin Schneider. Mobilität sei mehr als nur Verkehr, sie betreffe auch die Erreichbarkeit von Versorgungszentren, die Teilhabe am kulturellen Leben und sie sei als Standortfaktor für kleine und mittlere Unternehmen von herausragender Bedeutung.

Die Ministerin forderte die Unternehmen zur Kooperation und zur Übernahme auch von Einzellösungen auf. So nehme sich die Landesregierung vor, das sogenannte Kombibus-Modell in Brandenburg zu verbreiten. Die Prignitz habe bereits Interesse bekundet. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass die Unternehmen sich nicht gegenseitig dabei blockieren. Andernfalls hätte das Ganze keinerlei Aussicht auf Erfolg.

Das Thema Kostensteigerung wurde bei der Beratung nicht ausgeblendet. Aus dem Ticketverkauf bestreiten die Unternehmen knapp die Hälfte ihrer Kosten, das Übrige sind Zuschüsse verschiedener Art. Diese hälftige Verteilung werde beibehalten, allgemeine Kostensteigerungen seien jedoch unausweichlich: »Wir werden nicht umhin kommen, die Tarife anzupassen«. Bauprojekte im Verkehrsbereich werde das Land weiter fördern, sicherte die Ministerin zu, die Barrierefreiheit auch im ländlichen Raum sei dabei für die Geldgeber ein wesentliches Kriterium.

Schneider kündigte die Erarbeitung des Landesverkehrsplans (2018-2022) an. Als Projekte der nächsten Zeit nannte sie unter anderem die Fertigstellung der Dresdner Bahn und die Einbindung des Berliner Verkehrsknotenpunktes Ostkreuz in das Netz der Regionalbahnen.

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