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Roter Banker

PERSONALIE

  • Von Christian Baron
  • Lesedauer: 2 Min.

Woran erkennt man waschechte Linke? An einer Lebensweise mit Fahrrad statt Dienstwagen und Mietheim statt Prunkvilla? In Frankreich gibt es jedenfalls einen Begriff für Menschen, die sich als Sozialisten bezeichnen, deren Lebensstil aber keine volksnahe Bescheidenheit vermuten lässt. Traditionell sind »gauche caviar« (Kaviar-Linke) Sozialdemokraten, die sich in der Fünften Republik blöderweise Sozialisten nennen. Links der Sozialdemokratie sind Reiche fast nie anzutreffen. Aus naheliegenden Gründen. Und diese waren auch Matthieu Pigasse bewusst, als er vor drei Jahren sagte: »Ich bin stolz darauf, für Überzeugungen zu kämpfen, die nicht meine Interessen widerspiegeln.«

Das ist noch defensiv formuliert, denn Pigasse ist Bankmanager und Multimillionär. Als er den zitierten Satz aussprach, beriet er als Generaldirektor von »Lazard France« die sozialdemokratisch geführte griechische Regierung ebenso wie den französischen Linkskapitalisten François Hollande. Damit erfüllte er das wichtigste Kriterium eines »gauche caviar«. Dass der 46-Jährige tatsächlich jedoch kein klassischer Kaviar-Linker ist, beweist er jetzt, da ihn der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis als Berater will - und bekommt. Wie SYRIZA befürwortet der dreifache Familienvater aus Clichy einen radikalen Schuldenschnitt.

Seine Idee: 75 Prozent der griechischen Staatsschulden befinden sich nach dem Schuldenschnitt von 2012 in öffentlicher Hand. Würde man diesen Teil (200 der insgesamt 320 Milliarden Euro) um die Hälfte reduzieren, erreichte Griechenland einen »akzeptablen Schuldenstand«, wie er dem französischen Radiosender »BFM Business« mitteilte. Die Kosten seien »gleich null«, denn: »Das Geld ist ja längst ausgezahlt, die einzige Auswirkung wäre buchhalterisch.« Ein couragierter Vorschlag, der Matthieu Pigasse zum seltenen Helferlein mit Rückgrat aus dem Reich des Großkapitals macht. Ist er nun sogar ein waschechter Linker? Vielleicht. Denn Hollande würde der rote Banker nicht wieder beraten, weil er vom gar nicht linken Kurs des französischen Präsidenten »bitter enttäuscht« ist.

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