Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Bezahlbarer Wohnraum wird knapp

Hamburg wächst rasant, die Zahl der Sozialwohnungen hält da nicht mit

Hamburgs Einwohnerzahl ist laut einer Studie des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) seit Mitte der 1980er-Jahre um rund 200 000 gestiegen und wird in den kommenden 15 Jahren weiter wachsen. Hamburg benötige, so das HWWI, deshalb in den kommenden Jahren 90 000 zusätzliche Wohnungen. Stimmt die Prognose, reichen die vom Senat avisierten 6 000 zusätzlichen Wohneinheiten jährlich aus, um den Bedarf zu decken. Besondere Sorgen bereitet den Mietervereinen allerdings die stetig sinkende Zahl der Sozialwohnungen. »Wenn jährlich fünf- bis sechstausend Wohnungen aus der Bindung fallen, reicht der Neubau von 2 000 Sozialwohnungen, die dann nur noch 15 Jahre gebunden sind, nicht aus«, rechnet Siegmund Chychla vom Mieterverein zu Hamburg vor.

Das ehrgeizige Wohnungsbauprogramm des seit 2011 allein regierenden SPD-Senats nahm zunächst nur langsam Fahrt auf. Seit der Regierungsübernahme wurden zwar mehr als 35 000 Wohnungen genehmigt und in jedem Jahr mehr als 2 000 geförderte Wohnungen bewilligt - doch anfangs gab es Probleme, die hochgesteckten Ziele umzusetzen. 2011 und 2012 entstanden kaum mehr Wohnungen als zu Zeiten der CDU-Regierung. Erst im Jahre 2013 wurde in Hamburg die Zielmarke mit insgesamt 6000 fertiggestellten Wohnungen übersprungen.

Im geförderten Wohnungsbau kam es zu noch größeren Verzögerungen. Aufgrund der »erstaunlich niedrigen gemeldeten Fertigstellungszahlen im geförderten Wohnungsbau«, nämlich 654 im Jahr 2013, veranlasste die Stadtentwicklungsbehörde sogar ein »umfangreiches Controlling«. Zu den fleißigsten Bauherren gehört mittlerweile auch wieder die städtische Wohnungsgesellschaft SAGA GWG mit mehr als 1000 fertiggestellten Einheiten in 2014 - so viele wie seit den 80er Jahren nicht mehr. Laut Stadtentwicklungsbehörde wurden 2014 insgesamt mehr als 2000 geförderte Wohnungen fertiggestellt.

Das sei zu wenig, warnt auch Klaus Wicher, Landesvorsitzender des Sozialverbands in Hamburg: »Wir brauchen pro Jahr 6000 neue Sozialwohnungen, um bezahlbaren Wohnraum auch für Bedürftige zu schaffen.« Wicher verweist auf die 14 Prozent der Hamburger, die an oder unterhalb der Armutsgrenze leben. Für sie sind freie Wohnungen unbezahlbar. Mehr als 40 Prozent der Hamburger Haushalte sind Paragraph-5-Schein-berechtigt, das bedeutet: Ihr Einkommen ist so gering, dass sie Anspruch auf eine Sozialwohnung haben - wenn es genügend gäbe. Aber auch Durchschnitts- und Geringverdiener würden mittlerweile in die Randbereiche oder Enklaven wie die Veddel verdrängt, so Wicher.

Die andauernde Wohnungsknappheit will der Senat jetzt mit dem Projekt »Hamburg Ost« bekämpfen. Die Hansestadt fasst die bisher vernachlässigten Stadtteile östlich der Innenstadt zu einem großen Stadtentwicklungsprojekt zusammen. Ziel ist es, in bisher weniger attraktiven Stadtteilen wie Rotenburgsort, Hammerbrook, Hamm, Horn und Billbrook 20 000 neue Wohnungen zu schaffen, Gewerbe anzusiedeln und Grün- und Wasserlagen zu erschließen.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln