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Viel reicher als gedacht

Das oberste Prozent der Deutschen besitzt bis zu 34 Prozent des gesamten Vermögens

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Der Millionär ist ein scheues Wesen. Deswegen wird sein Vermögen in der Regel nicht richtig erfasst und dadurch extrem unterschätzt. Dabei könnte ihr Anteil am gesellschaftlichen Vermögen dreimal so hoch sein, wie bisher angenommen.

Gängige Reichtumsstudien haben ein Problem: Sie verschätzen sich in der Regel beim Vermögen des obersten Prozents – und zwar nach unten. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hat nun ergeben, dass die reichsten Menschen hierzulande insgesamt bis zu drei Billionen Euro mehr besitzen als bisher angenommen.
Den Berechnungen der Ökonomen zufolge erhöht sich das Gesamtvermögen der deutschen Haushalte von knapp 6,3 Billionen Euro auf bis zu 9,3 Billionen Euro, wenn man das Vermögen der Superreichen richtig einbezieht. Zum Vergleich: Deutschlands Wirtschaftsleistung betrug im Jahr 2014 rund 2,9 Billionen Euro. Insgesamt sollen die Superreichen nicht nur ein Fünftel, sondern 31 bis 34 Prozent des gesamten Vermögens in Deutschland auf sich vereinen. Das reichste Tausendstel der Bevölkerung besitzt noch zwischen 14 und 16 Prozent. Ihr Anteil am gesellschaftlichen Reichtum ist demzufolge drei Mal so groß wie bisher angenommen.

Doch auch die Wissenschaftler des DIW wissen: »Die Datenlage ist sehr schwierig.« Die Autoren der Studie, Christian Westermeier und Markus Grabka, fassen die Probleme einer jeden Reichtumsstudie zusammen: »Die Chance, dass einer der wenigen deutschen Milliardäre oder Multimillionäre in einer repräsentativen Befragung auftaucht, geht gegen null.« Weil es in Deutschland keine Vermögenssteuer gibt, fehlen offizielle Zahlen über die Besitztümer des reichsten Prozents. Die einzigen Daten, auf die sich die Forscher bei ihren Berechnungen stützen können, stammen aus dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP), das zuletzt im Jahr 2012 erhoben wurde. Doch handelt es sich dabei um Umfragewerte. Die Reichtumsforschung geht deswegen davon aus, dass das Vermögen der Wohlhaben systematisch unterschätzt wird, da sich deren Bereitschaft, freiwillig über ihren Kontostand Auskunft zu geben, in engen Grenzen hält.

Für seine Schätzung hat das DIW nun die Milliardärsliste des »Forbes«-Magazins zur Hilfe genommen, um daraus auf die tatsächliche Vermögensverteilung der Deutschen schließen zu können. Zwar ist auch diese Liste nur bedingt überprüfbar, doch gilt sie als die zuverlässigste Informationsquelle über die Vermögen der Superreichen.

In den Forbes-Index wird aufgenommen, wer ein Vermögen von mindestens einer Milliarde US-Dollar sein Eigen nennen kann. Dabei wird die Liste des deutschen Geldadels immer länger: Fanden sich im Jahr 2002 noch 34 Deutsche als Dollarmilliardäre in der Zeitschrift wieder, so waren es 2012 schon 55. Und diese Milliardäre und Multimilliardäre besitzen zusammen ein Vermögen von rund 230 Milliarden Euro.
Dies ist übrigens alles auch Kapital, das vererbt wird. Laut der Erbschaftssteuerstatistik wurden zwischen den Jahren 2009 und 2013 rund 278 Milliarden Euro übertragen. 105 Milliarden Euro davon wechselten als Unternehmensvermögen steuerfrei den Eigentümer.

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