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»Steuern sparen und Gutes tun« hat Konjunktur

Zahl der deutschen Stiftungsgründungen weiter auf hohem Niveau, nur der Osten hinkt hinterher

Mehr als 20 000 Stiftungen gibt es in der Bundesrepublik. Ihre Gründer unterstützen so nicht nur gemeinnützige Zwecke, sondern zahlen auch weniger Steuern.

Stiftung ist nicht gleich Stiftung: Da sind kleine Organisationen wie die Berliner Jenny De la Torre Stiftung, die sich um die medizinische Versorgung von Obdachlosen kümmert und sich überwiegend aus Spenden finanziert. Auf der anderen Seite gibt es große Akteure wie die Robert-Bosch-Stiftung, die über ein Vermögen von mehr als fünf Milliarden Euro verfügt. Egal ob groß oder klein: Der Trend zur Gründung von Stiftungen ist ungebrochen, wie der Bundesverband Deutscher Stiftungen (BvDS) am Mittwoch bekanntgab. Trotz der anhaltenden Niedrigzinsphase wurden 2014 bundesweit 691 Stiftungen neu gegründet. Im Jahr zuvor verzeichnete der Verband nur 638 Neugründungen. Insgesamt gab es damit in Deutschland 20 784 Stiftungen bürgerliches Rechts mit einem Gesamtvermögen von rund 100 Milliarden Euro.

»Aktuelle Zinsflauten sind kein Grund, eine Stiftung nicht zu errichten«, freute sich BvDS-Generalsekretär Hans Fleisch am Mittwoch bei der Vorstellung des Jahresberichts 2014. Kapitalstarke Stiftungen hätten dabei weniger Probleme, weil sie über Immobilienbesitz, Aktien und Unternehmensanteile verfügten, so Fleisch. Schwieriger hätten es mittlere und kleinere Stiftungen, die mit dem Niedrigzins an den Kapitalmärkten zu kämpfen hätten.

Anders als bei Spenden ist das in einer Stiftung eingebrachte Vermögen unantastbar. Es dürfen also nur Zinsen oder Einnahmen aus Mieten und Pachten für den Stiftungszweck ausgeschüttet werden. Daher muss das Kapital einer Stiftung entsprechend groß sein. Experten empfehlen, dass das Kapital das 20-fache der benötigten Mittel betragen soll.

Die anhaltende Dynamik verdankt sich offenbar auch den zahlenmäßig starken Babyboomern, die nun ins Rentenalter kommen. Viele von ihnen würden Stiftungen gründen, um ihr Vermögen sinnvoll anzulegen, so der BvDS-Generalsekretär. Doch warum ist die Gründung so attraktiv? »Mit einer gemeinnützigen Stiftung können Vermögende Zuwendungen im siebenstelligen Bereich von der Steuer als Sonderausgaben absetzen«, wusste die »Welt« vor einiger Zeit zu berichten. Da die meisten Stiftungen mit Unternehmensanteilen bestückt seien, lohne sich das »für den Stifter steuerlich sogar noch mehr«, so die »Welt«. Unternehmensgewinne könne man so steuerfrei stellen. Viele der Steuererleichterungen, von denen Stiftungen heute profitieren, verdanken sich übrigens der Reform des damaligen Bundesfinanzministers Peer Steinbrück (SPD) aus dem Jahre 2007.

So ist folgerichtig, wenn Milliardäre wie Dietmar Hopp ihr Vermögen in eine gemeinnützige Stiftung stecken. »Gutes tun und Steuern sparen«, lautet das Motto. Da sich das Gründen einer Stiftung meistens nur für wirklich Vermögende lohnt, gibt es im Osten auch kaum solche Einrichtungen. Von den bundesweit mehr als 20 700 Stiftungen haben nur etwa 1400 ihren Sitz in den fünf neuen Ländern. Schlusslicht ist Mecklenburg-Vorpommern mit 161 Stiftungen, ganz vorn liegt Niedersachsen mit mehr als 4000. Fleischer betonte, diese Schieflage sei Folge der DDR-Politik, die keine Stiftungen zugelassen und bestehende zerstört hätte. Das kann nicht die alleinige Erklärung sein, wurden doch drei Viertel aller bestehenden Stiftungen erst nach 1990 gegründet.

Der diesjährige Stifterpreis des BvDS geht aber an eine der kleinen Organisationen. Die Stiftung der in der DDR ausgebildeten Ärztin Jenny De la Torre Castro wird für ihre Arbeit mit Obdachlosen geehrt.

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