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Die Leute sollen hier bleiben

Trainer Ralph Hasenhüttl will mit dem FC Ingolstadt auch Sympathiepunkte sammeln

Im Oktober 2013 wurde der Österreicher Ralph Hasenhüttl (47) Trainer beim FC Ingolstadt. Seitdem geht es für die Schanzer steil bergauf. Zum Rückrundenauftakt der 2. Bundesliga siegte Ingolstadt bei Greuther Fürth und empfängt am Samstag als Tabellenführer mit schon acht Punkten Vorsprung den SV Sandhausen. Mit dem ehemaligen österreichischen Nationalspieler sprach Maik Rosner über seine Ziele und Ideale sowie über das umstrittene Image des Vereins.

nd: Wie zuversichtlich sind Sie, dass Ihnen mit Ingolstadt der Aufstieg in die Bundesliga gelingen wird?
Hasenhüttl: Wir haben eine Topausgangsposition mit acht Punkten Vorsprung, was unglaublich überraschend ist für alle. Ich habe in der Vorbereitung gesehen, dass wir nicht bereit sind, etwas ausrollen zu lassen, weil wir glauben, es reicht schon. Sondern dass wir gewillt sind, noch besser zu spielen, noch mehr zu investieren. Das ist ein gutes Zeichen. Das garantiert zwar keine Siege, aber es gibt einem das Gefühl, dass wir bereit sind für die restlichen Spiele.

Was würde die erste Liga für den FC Ingolstadt bedeuten?
Das kann man noch gar nicht richtig in Worte fassen, was das für diesen jungen Verein bedeuten würde. Ein kleiner Vorgeschmack sind die Dauerkartenverkäufe für die zweite Saisonhälfte: Mittlerweile haben wir allein dafür mehr Dauerkarten verkauft als im Sommer.

Noch sind die Zuschauerzahlen mit einem Schnitt von gut 8200 allerdings überschaubar, auch im Vergleich zur Konkurrenz.
Die Kartenverkäufe jetzt sind aber schon ein Zeichen, dass Menschen, die lange skeptisch waren, was hier abgeht, dass diese Menschen merken, es ist vielleicht doch ein bisschen nachhaltiger. Man bekommt immer mehr positives Feedback. Aber es geht nicht nur um die Ergebnisse, es geht um die Art und Weise, wie wir auftreten, auf dem Platz und außerhalb. Das wird honoriert. Wenn wir den ganz großen Wurf schaffen würden, wäre der Hype wahrscheinlich noch viel größer. Und dann gäbe es auch nichts mehr zu mäkeln, dass Ingolstadt nicht begeisterungsfähig ist.

Wo sehen Sie denn sportlich noch Verbesserungsbedarf?
Wir haben im Winter nicht so viel an den Schwächen gearbeitet, denn die waren auch nicht so augenscheinlich. Wir haben vielmehr versucht, unsere Stärken noch deutlicher hervorzuheben, etwa unsere Laufwege in die Tiefe oder unser offensives Verteidigen. Also alles, was unser Spiel ausmacht, sofort wieder einzuschleifen. Wir waren in der Hinrunde so konstant, haben nur ein Spiel verloren, haben fast die wenigsten Tore kassiert und die meisten geschossen, unglaublich viele Torchancen gehabt, haben bei Standards überragend agiert, sowohl offensiv als auch defensiv.

Sie schwärmen ja richtig.
Wir hatten einfach nicht so viele Ansatzpunkte für Defizite. Es waren dementsprechend nicht so viele neue Inhalte nötig, sondern es ging darum, die alten aufzufrischen und wieder zu automatisieren.

Welche Bedeutung hatte der Auftaktsieg bei Greuther Fürth?
Natürlich eine große. Es war ganz wichtig, gleich zu punkten, gleich wieder da zu sein und zu zeigen, dass man nicht gewillt ist, irgendetwas herzuschenken.

Wer sind die größten Konkurrenten?
Alle, die überraschenderweise schon acht Punkte hinter uns stehen. Da hat jeder Einzelne was im Kreuz. Die einzige Mannschaft, gegen die wir davon nicht mehr spielen, ist Darmstadt. Das ist für mich einer der Favoriten auf den Aufstieg, weil die sehr kompakt und geschlossen agieren.

Sie haben die Hoffnung geäußert, bald ein ausverkauftes Stadion in Ingolstadt zu erleben. Wie wichtig wäre das für die Außenwirkung des Vereins?
Natürlich wünscht man sich das, man möchte immer bei einem Verein arbeiten, wo viele Zuschauer kommen. Am schönsten ist es, wenn sie wegen dem kommen, was wir geleistet haben. Das ist die größte Bestätigung. Es würde dem Klub noch einmal einen deutlichen Schub geben.

Und wo soll es hingehen?
Wirklich als Verein der Region wahrgenommen zu werden, der die Leute elektrisiert und mobilisiert. Wir wollen die Leute für uns gewinnen. Dass sie nicht mehr nach München, Nürnberg oder Augsburg fahren, sondern hier bleiben, um den FC Ingolstadt zu sehen. Das schaffst du nur, wenn du richtig viel richtig gut machst. Das ist der schönste Lohn der Arbeit und mit anderen Dingen nicht aufzuwiegen.

Wie wichtig ist Ihnen das Image des Klubs, der oft kritisch gesehen wird?
Enorm wichtig. Wer uns etwas Schlechtes wollte, hat uns in die Werkselfecke gestellt. Ich glaube, so langsam sieht man, dass hier ein bisschen anders gearbeitet wird. Dass wir keine verrückten Dinge machen und nur ein durchschnittliches Budget haben. Auch unser Hauptsponsor war nicht immer der Global Player. Auch bei Audi gab es zunächst ein Team, das sich zum Ziel gesetzt hat, weiter vorne zu landen im Autobereich. Dann sind sie es angegangen. So ähnlich fühlt sich das auch bei uns im Verein an. Das freut mich. Dass Menschen anpacken und versuchen, diesen Verein nach oben zu bringen. Da mitarbeiten zu dürfen, ist ein ganz besonderes Gefühl.

Welche Rolle spielt die Personalauswahl bei der Verbesserung des Images, also mehr Talente als Namen zu verpflichten?
Das muss unser Weg sein. Wir haben gemerkt, dass es mit Spielern, die hungrig sind und mit uns nach oben wollen, zukunftsträchtiger und nachhaltiger ist als mit der Verpflichtung irgendwelcher Namen. Ich war von vornherein Verfechter dieses Weges. Und ich glaube, der Erfolg gibt uns Recht. Wir haben zuletzt übrigens einen Transferüberschuss erzielt. Ich glaube, das spricht für die Art und Weise, wie wir versuchen zu arbeiten.

Lässt sich das in der ersten Liga auch so durchhalten?
Sollte der Aufstieg gelingen, bin ich jemand, der mit der Mannschaft weitermachen möchte, die sich das erarbeitet hat. Ich bin kein Freund davon zu sagen: Jetzt bauen wir eine komplett neue Mannschaft, weil hier geht’s anders zur Sache. Ich bin der Meinung: Wenn eine Mannschaft einen Aufstieg schafft, dann hat sie es auch verdient, dort zu spielen.

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