Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Kopenhagen: Anschläge auf Kulturzentrum und Synagoge

Polizei stellt Identität des Täters fest/ Dänemarks Ministerpräsidentin Thorning-Schmidt: »Ein unendlich trauriger Morgen« / Jüdische Gemeinde unter Schock / Zwei Männer werden Ofer / Polizei: Auch der Attentäter erschossen

Update 13:40 Uhr

Die dänische Polizei hat den mutmaßlichen Attentäter von Kopenhagen identifiziert. Er sei den Ermittlern bekanntgewesen, hieß es bei einer Pressekonferenz am Sonntagmittag. Die Identität des Mannes wollten Polizei und Sicherheitsbehörde zunächst aber nicht preisgeben. »Er kommt aus Kopenhagen, das ist alles, was wir sagen können«, sagte der Chef der dänischen Sicherheitsbehörde PET, Jens Madsen.

Update 12 Uhr:

Schock für jüdische Gemeinde

Die jüdische Gemeinde in Kopenhagen steht nach dem Anschlag auf eine Synagoge in der Innenstadt unter Schock. Dabei war ein 37-Jähriger jüdischen Glaubens getötet worden, der wegen einer Bar Mitzwa vor dem Gotteshaus Wache hielt. »Ich bin schockiert. Alle sind schockiert«, sagte der Vorsitzende der Gemeinde, Dan Rosenberg Asmussen, dem dänischen Fernsehen am Sonntag. »Das ist das, was wir immer befürchtet haben. Und das, wovor wir die ganze Zeit gewarnt haben, dass es in Dänemark passieren könnte.« Bei zwei Attentaten in der dänischen Hauptstadt waren am Samstag und in der Nacht zum Sonntag zwei Menschen getötet und fünf verletzt worden, bevor die Polizei den mutmaßlichen Attentäter am frühen Morgen erschoss.

Update 11.30 Uhr:

Dänemark will sich nicht einschüchtern lassen

Dänemark will sich nicht von den Terroranschlägen in Kopenhagen einschüchtern lassen. »Es gibt viele Fragen, die die Polizei noch beantworten muss«, sagte Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt am Sonntag bei einer Pressekonferenz. »Aber es gibt eine Antwort, die wir heute schon geben können. Und die lautet, dass wir unsere Demokratie verteidigen werden.« Dänemark habe einige Stunden erlebt, die das Land nicht vergessen werde. »Wir wissen nicht, was die Motive für die Attacken waren, aber wir wissen, dass es Kräfte gibt, die Dänemark schaden wollen, die unsere Meinungsfreiheit und unseren Glauben an Freiheit zerstören wollen«, sagte Thorning-Schmidt. Die Ministerpräsidentin brachte ihre Solidarität mit der jüdischen Gemeinde zum Ausdruck. »Die jüdische Gemeinde ist ein wichtiger Teil von Dänemark. Ihr steht nicht alleine da«, sagte sie. »Ich bin froh und erleichtert darüber, dass die Polizei den vermuteten Täter hinter den zwei Schießereien unschädlich gemacht hat«, sagte Thorning-Schmidt laut einer Pressemitteilung. »Niemand soll damit davonkommen, die offene, freie und demokratische dänische Gesellschaft anzugreifen.« Sie lobte den schnellen Einsatz der Polizei. »Es ist ein unendlich trauriger Morgen, an dem wir alle an die Opfer und ihre Angehörigen denken. Zwei unschuldige Menschen haben ihr Leben in der Folge einer zynischen Terroraktion gegen Dänemark verloren.«

Polizei: Auch der Attentäter erschossen

Berlin. Nach Stunden der Terrorangst hat die Polizei in Kopenhagen am frühen Sonntagmorgen den mutmaßlichen Attentäter gestellt und getötet. Der Mann ist den Polizeiangaben zufolge mit hoher Wahrscheinlichkeit für den Mord an einem 55 Jahre alten Gast einer Diskussionsveranstaltung sowie an einem jungen jüdischen Wachmann vor einer Synagoge verantwortlich. Die Polizei stützt sich unter anderem auf die Auswertung von Videomaterial aus Überwachungskameras.

Bei den Attentaten fünf Wochen nach den Anschlägen auf die Karikaturisten von Charlie Hebdo in Paris waren am Samstag und in der Nacht zum Sonntag zwei Menschen getötet und fünf verletzt worden, bevor die Polizei den mutmaßlichen Täter am frühen Morgen erschoss. »Wir sind noch immer dabei herauszufinden, ob er alleine gehandelt hat«, sagte ein Polizeisprecher.

Die dänische Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt brachte ihre Erleichterung zum Ausdruck. »Die Polizei hat nach Lage der Dinge den mutmaßlichen Täter, der hinter beiden Angriffen steckt, neutralisiert«, heißt es einem Statement der Regierungschefin.

Nähere Angaben zu dem getöteten Mann lagen zunächst nicht vor. Die Polizei gab nach dem ersten Angriff bekannt, dass sie einen etwa 25 bis 30 Jahre alten Mann arabischen Aussehens sucht. Die Ermittler veröffentlichten ein Bild aus einer Überwachungskamera in der Nähe dieser Stelle. Die Aufnahme zeigt einen dunkel gekleideten Mann mit einer roten Mütze.

Den Ermittlungen zufolge war der Mann nach dem Angriff auf die Diskussionsveranstaltung zum Thema »Kunst, Gotteslästerung und Freie Rede« am Samstag zunächst in einem dunklen VW Polo geflohen, der später in Kopenhagen gefunden wurde. Danach setzte er seine Flucht in einem Taxi fort und ließ sich nach Hause in seine Wohnung fahren. Der Taxifahrer gab den Ermittlern den entscheidenden Tipp.

Als die Beamten den Verdächtigen am frühen Sonntagmorgen vor dem observierten Haus ansprachen, habe der Mann das Feuer eröffnet, berichtete die Polizei. Daraufhin hätten die Beamten zurückgeschossen und den Angreifer getötet. Das Viertel in Kopenhagen ist bekannt für seinen hohen Migrantenanteil.

Bei dem Opfer, das in dem Kulturcafé erschossen wurde, handelt es sich um einen 55 Jahre alten Mann. Das zweite Opfer, das in der Nacht vor einer Synagoge in Kopenhagen von einer Kugel in den Kopf tödlich getroffen wurde, ist nach Angaben aus der jüdischen Gemeinde ein junger Wachmann jüdischen Glaubens. Er hatte die Menschen kontrolliert, die in die Synagoge zur Feier einer Bar Mitzwa kamen.

Nach Angaben des Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde, Dan Rosenberg Asmussen, gelang es dem Angreifer nicht, in das Gebäude vorzudringen, wo etwa 80 Menschen versammelt waren. Laut Asmussen hatte die jüdische Gemeinde die Sicherheitsvorkehrungen nach den Terroranschlägen in Paris Anfang Januar verstärkt. Unter den Verletzten sind auch mehrere Polizisten.

Der Angriff in dem Kulturcafé hatte vermutlich dem schwedischen Zeichner Lars Vilks gegolten. Er ist seit Jahren in islamistischen Kreisen wegen seiner Mohammed-Karikaturen in der Kritik und war bereits mehrfach Ziel von Anschlägen. Islamisten setzten ein Kopfgeld in Höhe von 150.000 Dollar auf ihn aus. Vilks blieb bei dem Anschlag unverletzt. Er hatte sich zusammen mit der Mitorganisatorin der Diskussion, Helle Merete Brix, in einen Kühlraum verschanzt gehalten.

Unter den Besuchern war auch der französischen Botschafter François Zimeray. Er blieb unverletzt. Der französische Innenminister Bernard Cazeneuve machte sich am Sonntag von Marokko aus auf den Weg in die dänische Hauptstadt. dpa/nd

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung
  • Lastschrift

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln