Werbung

Gott sei Dank, auch Deutschland hat Probleme

Ein Film über Mieterkämpfe in Berlin wird im Ausland interessiert rezipiert - mit einem besonderen Zugang

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Der Dokumentarfilm »Mietrebellen« über den umkämpften Berliner Wohnungsmarkt hat einen außergewöhnlichen Erfolg und trägt zur Vernetzung von Initiativen bei.

Es ist sicherlich ungewöhnlich, dass ein Regisseur nach der Kinovorführung seines Films vor das Publikum tritt und sagt, dass der Rapper und Komponist des Abspannliedes sowie andere im Film vorkommende Personen mittlerweile aus ihren Wohnungen verdrängt wurden. Doch Matthias Coers ist Dokumentarfilmer, und Verdrängung aus der Wohnung ist sein Spezialgebiet. Einen Film zu Zwangsräumungen in mehreren Ländern bereitet er gerade vor. Sein letzter wird derweil ständig im In- und Ausland aufgeführt. Coers ist oft dabei, so wie auch an diesem Montag im Berliner Kino Moviemento, wo der Film gezeigt wird.

»Mietrebellen« heißt die im vergangenen April erschienene 78-minütige Doku über den Berliner Wohnungsmarkt, die nun schon über 300 Mal vorgeführt wurde. Coers, Jahrgang 1969, und seine Partnerin Getrud Schulte Westenberg zeigen darin einige Initiativen, die um Wohnraum kämpfen. »Nach Filmvorführungen wurden wir oft von Menschen in ähnlichen Situationen angesprochen«, sagt Coers. Manches Mal habe er diese Menschen an einen Mieterverein weitervermittelt. Diese Nähe zu den Härten des Wohnungsmarktes und zu den Leuten, die dagegen kämpfen, ist Coers wichtig. Auch an diesem Abend findet im Anschluss an den Film eine Diskussion mit Engagierten statt.

Zuerst spricht der Grünen-Bezirksverordnete Norbert Kliesch. Er ist Mitglied einer Initiative von Betroffenen, die es geschafft hat, den Verkauf von Bundesimmobilien zum Thema öffentlicher Diskussion zu machen. Nun will selbst der Berliner Senat, dass der Bund seine Wohnhäuser nicht meistbietend verkauft. Das Problem beschäftigt auch den Bundestag.

Im Anschluss berichtet eine griechische Geografin über den Wohnungsmarkt in ihrer Heimat. Sie arbeitet an der Universität Edinburgh in Schottland und hatte »Mietrebellen« im August in London gesehen, als der Film bei einer großen wissenschaftlichen Konferenz der britischen Geographischen Gesellschaft gezeigt wurde. Dieses Datum ist Matthias Coers wichtig. Am selben Tag sei der Film in Leipzig bei einem Dokfilm-Festival und in Hamburg bei einem Treffen der Hausbesetzerszene in der berühmten »Roten Flora« gezeigt worden.

Wien, Dublin, Glasgow, Córdoba, Amsterdam, Istanbul, Mexiko - die Berliner »Mietrebellen« sind beeindruckend weit herumgekommen und mal bei akademischen, mal bei aktivistischen Konferenzen sowie, in Moskau, bei einem avantgardistischen Festival gezeigt worden. In vielen Ecken Deutschlands war der Film schon, und Matthias Coers oft mit ihm. Im März stehen in Frankfurt (Oder), Mannheim, Nürnberg und Köln Aufführungen an wie auch eine dreitägige Tour durch Bremen. Vorführungen in Griechenland, nicht nur dort mit Unterstützung des Goethe-Instituts, sind fest terminiert, Anfragen vom Left Forum in New York - einem großen intellektuellen Kongress, wo schon Ausschnitte von »Mietrebellen« gezeigt wurden - sowie aus Kanada und Frankreich gebe es ebenfalls, sagt der aus Osnabrück stammende Filmemacher.

Seinen Film hat er extra kurz gehalten, um Gespräche im Anschluss zu ermöglichen. »Der Film soll vor Ort zu Debatten über die lokale Situation führen«, so Coers. Im fränkischen Fürth hat das geklappt, wie der Artikel in einer Lokalzeitung zeigt. Coers bekommt auf diese Weise viel von den Zuständen andernorts mit. Von ausländischen Vorführungen erreichen ihn oft Berichte. Überraschend auch für Coers: Sowohl aus Bukarest, als auch von der Stadtplanungsfakultät in Neapel und vom Left Forum habe er gehört, wie dankbar die Menschen dort waren, zu sehen, dass auch Deutschland soziale Probleme hat und dass es Widerstand gibt.

In Bukarest machen sich mittlerweile Freiwillige an eine Übersetzung der Untertitel, berichtet Coers. Auf Englisch und Spanisch gibt es die schon, Französisch, Polnisch und Italienisch seien fast fertig, Türkisch in Vorbereitung, sagt der umtriebige Filmer und Aktivist, der auch eine DVD des Films plant - »für die weltweite Rezeption«. Theoretisch könnte die DVD eine Empfehlung von Bundesjustizminister Heiko Maas oder der Bundeszentrale für Politische Bildung zieren. Die hätten den Film ebenfalls gelobt, so Coers.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen