Rosa siegt

Schalke sieht das 0:2 gegen Real Madrid positiv

  • Von Jörg Mebus und Cai-Simon Preuten, Gelsenkirchen
  • Lesedauer: 3 Min.

Als der »Champion in Rosa« Cristiano Ronaldo die Arena grinsend in Richtung Mannschaftsbus verließ, zog Horst Heldt erleichtert sein Fazit. »Diesmal können wir erhobenen Hauptes vom Platz gehen. Wir brauchen uns nicht zu schämen«, sagte der Manager von Schalke 04. Dass seine Elf nach dem 0:2 (0:1) gegen Titelverteidiger Real Madrid so gut wie sicher im Achtelfinale der Champions League gescheitert ist und auf nicht weniger als ein Fußballwunder im Rückspiel in drei Wochen hoffen muss - Heldt und mit ihm alle Schalker nahmen es gelassen und entspannt hin, frei nach dem Motto: 0:2 und Spaß dabei.

Die Angst vor einer erneuten Abreibung wie beim 1:6 im Vorjahr war auf Schalke größer gewesen als die Erwartung auf einen Überraschungscoup gegen den Titelverteidiger. Entsprechend war die Stimmung, bei Vorstandsboss Clemens Tönnies sogar so gelöst, dass er sich für ein markiges Resümee entschied: »Wir fahren sicher nicht mit vollen Hosen nach Spanien, als Außenseiter ist immer was möglich.«

Die Schalker waren am Mittwochabend sehr findig darin, trotz des bevorstehenden dritten Achtelfinalausscheidens nacheinander in der Königsklasse das Positive hervorzuheben. Torjäger Klaas-Jan Huntelaar erlitt bei seinem Zweikampf mit Raphael Varane zwar eine schwere Prellung, »Gott sei Dank« (Heldt) aber keinen Schienbeinbruch. Felix Platte, ab der 33. Minute der Ersatz für den Niederländer, machte seine Sache ebenso wie Ersatztorwart Timon Wellenreuther ausgesprochen gut.

Die beiden 19-Jährigen bekamen ein Extralob von Trainer Roberto Di Matteo. Den Ritterschlag erhielt Platte, der bei seinem Champions-League-Debüt in der 74. Minute kurz vor dem 0:2 durch Marcelo (79.) in der besten Schalker Szene die Latte getroffen hatte, aber durch die spanische Zeitung »AS«. Der Stürmer habe »Eindrücke eines großen Fußballers« hinterlassen. Aber bei aller Wertschätzung: Allein die Tatsache, dass Platte überhaupt seine Chance erhielt, bewies, dass Schalke offensiv derzeit nicht Champions-League-tauglich ist - ohne Huntelaar, Julian Draxler oder Jefferson Farfan. Auch die Fans machen sich diesbezüglich längst Sorgen - weniger mit Blick auf das Spiel gegen Werder Bremen am Samstag. Das Derby gegen Borussia Dortmund in der Woche darauf treibt sie um.

Auch im Wissen um fehlende Klasse im Sturm akzeptierte Di Matteo klaglos, dass die Königlichen schlichtweg eine Nummer zu groß für Königsblau waren und sind: »Wir haben alles gegeben, was uns möglich war. Reals Qualität hat den Unterschied gemacht.« Die spanischen Medien teilten diese Ansicht. Die »Champions in Rosa« hätten sich durchgesetzt, schrieb die »Marca«, »ohne die Frisur durcheinander zu bringen«. In der Tat sah auch Ronaldo, Schütze des 1:0 (26.) und Vorbereiter des 2:0, nach Schlusspfiff in seinem rosa Dress zwar gewöhnungsbedürftig, aber keineswegs abgekämpft aus.

Roberto Di Matteo klang mit Blick auf das Rückspiel dann auch wesentlich defensiver als Tönnies: »Im Fußball ist alles möglich, daran müssen wir jetzt glauben.« Heldt tut das - bei allem zur Schau getragenen Optimismus - nicht. »Wenn wir weiter hart arbeiten, haben wir vielleicht in einem Jahr die Möglichkeit, Real Madrid auszuschalten.« SID

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