Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Die Medien und die brutalen Schlepper

»Geisterschiff« mit Flüchtlingen war nie ohne Besatzung/ NDR Reportage deckt Falschmeldung auf

Grausame Schlepperbande, geldgierig und kaltherzig. So ist das Bild, das die Medien von Fluchthelfern gerne verbreiten. Dass das nicht der Wahrheit entspricht und manche Meldung falsch ist, beweist ein NDR Bericht.

Anfang Januar berichteten viele Medien von dem Geisterschiff »Blue Sky M« voller Flüchtlinge vor der italienischen Küste. Gänzlich ohne Besatzung soll das Schiff von Syrien nach Italien gefahren sein. Eine tickende Zeitbombe, die laut der italienischen Küstenwache, nur von ihrem schnelle Eingreifen, entschärft werden konnte.

Die Medien stürzten sich sofort auf diese Meldung und berichteten von »skrupellosen Schleppern« und die private EU-Grenzschutzagentur Frontex ließ verlauten, ein neuer Grad der Grausamkeit wäre erreicht. Medien sowie Politik waren sich einig, die Schuld an diesem Drama trügen geldgierige Schlepperbanden, denen jegliches Menschenleben gleichgültig wäre.

Nichts an den Behauptungen ist wahr, hat jetzt das Magazin »ZAPP« (NDR) herausgefunden. Das »Geisterschiff« war zu keiner Zeit ohne Besatzung, die Behauptung damit komplett falsch. Das Bild der skrupellosen Schlepper ist nicht stimmig. Glaubt man den Augenzeugenberichten von Geflüchteten auf dem Schiff, war die Besatzung sogar besonders vorsichtig und versuchte nie die Küstennähe zu verlassen, um so im Falle eines Notfalls nicht unnötig Menschenleben zu gefährden.

Schuld an dem Missverständnis war die Meldung der italienischen Küstenwache. Das Schiff mit den Flüchtlingen hatte kurz vor der Küste auf Autopilot gestellt und einen falschen Notruf gesendet, um die Küstenwache an Bord zu locken. Nach diesem falschen Hilferuf mischte sich die Besatzung unter die Geflüchteten, um nicht als Fluchthelfer der Polizei in die Hände zu fallen. Als diese jedoch an Bord kam, gaben sie sich als Seeleute zu erkennen und erklärten der eingetroffenen Küstenwache das Schiff. Der Sprecher der Küstenwache wusste tatsächlich zu diesem Zeitpunkt nicht, dass es eine Besatzung auf dem Schiff gab.

Sofort sprangen die Presseagenturen auf die Meldung und veröffentlichten sie, angereichert mit Zitaten der europäischen Grenzschutzagentur Frontex, die das Geschehen noch dramatischer darstellten. Viele Zeitungen, darunter auch das neue deutschland, veröffentlichten diese Meldung ungeprüft. Das Bild des bösen Schleppers geisterte durch die Medien. Je nach Redaktion wurde dies gern aufgenommen und verteilt, da man auf breites Interesse in der Bevölkerung hoffte. Das dieses medial aufgebaute Bild des geldgierigen und kaltblütigen Schleusers nicht unbedingt mit der Realität übereinstimmt, zeigt diese Reportage des NDR.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln