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Vier Räder für ein Halleluja in Paris

Deutscher Bahnvierer fährt als WM-Vierter fast sicher nach Rio, Lucas Liß gewinnt Gold und Miriam Welte Bronze

  • Von Thomas Juschus, Paris
  • Lesedauer: 3 Min.
Der deutsche Bahnvierer ist zurück in die Weltspitze gefahren. Bei der Rad-WM in Saint-Quentin bei Paris gab es mit Platz vier das beste Ergebnis seit 13 Jahren.

Selten ist eine »Holzmedaille« so gefeiert worden. Henning Bommel, Theo Reinhardt, Kersten Thiele und Domenic Weinheim schrammten zwar am Donnerstag als Vierte in der 4000-Meter-Mannschaftsverfolgung knapp am ersten WM-Edelmetall seit 2002 vorbei, sorgten aber im Lager des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) dennoch für fast euphorische Stimmung. »Natürlich schmerzt der vierte Platz immer ein bisschen. Das Ergebnis ist aber vor Rio eine riesengroße Erleichterung und Selbstbestätigung«, sagte Bommel bei den Bahntitelkämpfen in Saint-Quentin vor den Toren von Paris, ehe er mit seinen Teamkollegen strahlend für Erinnerungsfotos posierte.

Nach einem starken Winter mit Platz zwei bei der EM und guten Auftritten im Weltcup bestätigte das BDR-Quartett unweit von Versailles den Aufwärtstrend eindrucksvoll und verbesserte in der Zwischenrunde den deutschen Rekord auf 3:57,166 Minuten. Dass sich am Ende Titelverteidiger Australien Bronze schnappte, war ein kleiner Schönheitsfehler in einem starken Turnier. WM-Gold ging an Neuseeland vor Olympiasieger Großbritannien. Beim Scratchrennen gewann Lucas Liß die Goldmedaille, die er seinem vor kurzem verstorbenen Vater widmete. Miriam Welte gewann im Zeitfahren die Bronzemedaille.

Das Tal der Tränen scheint nach zwei verpassten Olympiateilnahmen in Peking 2008 und London 2012 für das frühere Aushängeschild des BDR endgültig durchschritten. Mit der Platzierung und vor allem den Zeiten ist der BDR-Vierer zurück in der Weltspitze, die Olympiaqualifikation ist dem Team kaum noch zu nehmen. »Das gesteckte Ziel haben wir erreicht, sogar überfüllt«, sagte BDR-Sportdirektor Patrick Moster. Im internen Fahrplan war Rang fünf die Vorgabe.

Maßgeblichen Anteil am Aufschwung hat Bundestrainer Sven Meyer, der vor vier Jahren nach einem jahrelangen Wechselspiel auf dem Chefposten das Zepter übernahm. »Natürlich wird es jetzt schwieriger, weil wir den Erfolg und die gestiegenen Erwartungen erfüllen müssen. Aber wir haben auch noch viel Potenzial nach oben«, sagte der 29-Jährige. Ein Schlüssel für den Aufschwung ist die Bündelung der Fahrer im Rad-net-Rose-Team. »Das hat uns sehr geholfen. Der nächste Schritt muss aber folgen: Die Zentralisierung der Fahrer an einem Standort«, forderte Bundestrainer Sven Meyer.

Zur Halbzeit der Olympiaqualifikation ist ein Start in Rio de Janeiro inzwischen fast sicher. »2016 ist bei allen seit zwei Jahren fest im Kopf. Jetzt können wir aber etwas fester planen und uns zielgerichtet auf die nächsten Höhepunkte vorbereiten«, sagte Meyer. Für Henning Bommel, der seit 2006 zur Nationalmannschaft gehört und 2008 und 2012 die Spiele verpasste, könnte Rio der krönende Abschluss einer langen Karriere werden. »Man wächst mit seinen Aufgaben. Jetzt ist das kleine Finale um Bronze in Rio das nächste Ziel, das wir angreifen wollen.« dpa

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