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Mächtig gewaltig

Ingolf Bossenz über Merkels zweite Privataudienz bei Papst Franziskus

Gute Macht im Vatikan. Die »mächtigste Frau der Welt« (Handelsblatt) traf mit dem »mächtigsten Mann« - nicht der Welt, aber immerhin »der Katholiken« (dpa) zusammen. Und die Agenda, die Merkel und Franziskus während der gut dreiviertelstündigen Privataudienz (»ungewöhnlich lange« - epd) des Papstes für die Kanzlerin abarbeiteten, reichte von Armutsbekämpfung und Frauenrechten über Klimaschutz und interreligiösen Dialog bis zum Krieg in der Ukraine. Die Protestantin, die seinerzeit dem deutschen Papst in Sachen Piusbrüder öffentlichkeitswirksam die Leviten gelesen hatte, ist mit seinem argentinischen Nachfolger offenbar in bestem Einvernehmen und nennt die bereits zweite Privataudienz »ein sehr bereicherndes Gespräch«.

Eingedenk des sakralen Scheins, den säkulare Herrscher bei solchen Visiten erhaschen, ist das eine treffende Bewertung. Und ein Besuch in Deutschland, zu dem die CDU-Vorsitzende den Pontifex einlud, würde gewiss von einem noch weit größeren PR-Effekt begleitet. Doch Franziskus ist ein abwägender und durchaus vorsichtiger Mann. Solange hinter den Leoninischen Mauern ein Expapst logiert, der sich bei einer solchen zweifellos glanzvoll-medialen Reise an seine eigenen, eher fahlen Visiten in der Heimat erinnert fühlen muss, wird dem Untermieter wohl ein solcher Tort erspart werden. Und Barmherzigkeit liegt Franziskus doch mehr am Herzen als Macht?

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