Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Aktien mit und ohne Moral

Geldanlage (Teil 3 und Schluss)

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 4 Min.
Früher galten als Warnsignal Renditen im zweistelligen Bereich. Heute wird es schon bei mancher Solaranleihe mit vier oder fünf Prozent kritisch. Wer angesichts des allgemeinen Zinstiefs behauptet, er könne herkömmliche Festgeldangebote oder Anleiheanbieter erheblich überbieten, droht schnell unglaubwürdig zu werden. Die Pleite des Anbieters erneuerbarer Energie Prokon hat vielen Kleinsparern die Augen geöffnet.

Wer trotzdem über alternative Angebote nachdenkt, sollte folgende simple Mindestregeln beherzigen: Lesen Sie alle Unterlagen! Nehmen Sie Zeugen zu Verhandlungen mit! Hinterfragen Sie die Kosten (die letztlich Sie finanzieren werden)!

Grundsätzlich gilt: Direktanlagen (wie bei Prokon) sind für Laien zu riskant! Sie sind etwas für erfahrene Sparer, die sich mit ihrer Geldanlage inhaltlich auseinandersetzen wollen.

Dennoch gibt es auch für sozial oder ökologisch ausgerichtete Menschen interessante Angebote. Mittlerweile kann man aus schätzungsweise 500 Investmentfonds auswählen, die ethische, soziale und/oder ökologische Kriterien berücksichtigen; im Regelfall Aktienfonds.

Die Tücke steckt im Detail

Viele »nachhaltige« Fonds lehnen Industrien wie Rüstung, Erdöl oder Luftfahrt kategorisch ab; andere suchen sich dagegen ökologische Spitzenreiter selbst in »schmutzigen« Industrien wie Automobil heraus. Und auch über einzelne Fonds-Kandidaten wie etwa Siemens lässt sich trefflich streiten. Wirklich ein Tabu bilden inzwischen selbst Atomkraftwerke und Gentechnik nicht mehr für jeden »grünen« Fonds.

Egal, ob alternative oder normale Aktien

Dagegen setzt ein Klassiker unter den Grünanlagen auf kleinere Firmen mit klarem Profil: »Green Effects« von Securvita bildet den Natur-Aktien-Index (NAI) ab - Messlatte für die alternative Finanzszene. Doch NAI-Aktien sind global gestreut, von Amerika bis Südafrika. Ein spezielles Problem solcher grenzüberschreitenden Anlagen sind Wechselkurse.

Sie kennen das Problem aus dem Urlaub: Tausche ich das Geld Monate vorher um oder erst am Reiseziel? Fällt der Wechselkurs oder steigt er? Bei Geldanlagen in ausländische Aktien oder Wertpapiere besteht dieses Risiko ebenfalls.

Nicht jedoch innerhalb der Eurozone. Kaufen Sie Anteile an einem Fonds mit ausländischen Wertpapieren, können steigende Kurse durch einen sinkenden Wechselkurs etwa des Dollars aufgefressen werden. Oder Sie »gewinnen«, wie nach der Freigabe des Franken durch die Schweizer Nationalbank im Januar bis zu 20 Prozent - zumindest auf dem Papier.

Höhere Rendite, höheres Risiko

All diese Überlegungen für alternative Geldanlagen gelten in der einen oder anderen Form auch für konventionelle Geldanlagen: Wer eine höhere Rendite wünscht, muss mehr Risiko eingehen.

Bei Direktanlagen, aber vor allem bei »geschlossenen Fonds« kann dies einen erheblichen Verlust bis zum Totalverlust des eingesetzten Geldes bedeuten. Grundsätzlich gilt dies auch für normale Aktien.

Allerdings sind Aktien, wenn sie an einer Börse notiert sind, meist weniger riskant, da deren Marktplatz durch die Börse weit größer ist und Aktiengesellschaften weniger von einer Insolvenz bedroht sind.

Studien zeigen zudem, dass Aktien durchschnittlich langfristig eine ordentliche, allerdings keine Superrendite abwarfen. Bleibt die Frage: Was bedeutet »langfristig«? Altmeister André Kostolany prägte dafür eine Börsenweisheit: »Kaufen und lange schlafen. Dann Kasse machen - oder an die Enkel vererben.«

Damit Sie ruhig schlafen könne, lohnt es, über die großen deutschen Aktiengesellschaften im Dax nachzudenken. So viel Marxismus muss hier sein: Die »Monopole« dürften auch zukünftig überdurchschnittlich viel Mehrwert absahnen. Was sich langfristig in steigenden Aktienkursen und bis dahin in Dividenden von jährlich zwei, drei Prozent niederschlagen dürfte (was zumindest die Kosten einer solchen Geldanlage deckt). Um Ihr persönliches Risiko zu streuen, könnten Sie Anteile an einem (offenen) Investmentfonds kaufen, der den gesamten Deutschen Aktienindex (Dax) widerspiegelt.

Doch wer sein Gewissen oder seine politischen Überzeugungen nicht mit Multis und globalen Kapitalmärkten belasten will, kann auch mit (fast) normalen Sparprodukten sein Glück versuchen. Diese bieten beispielsweise die fast altruistische GLS Bank, die kommerziellere Nürnberger Umweltbank oder die genossenschaftliche Ethikbank per Telefon und Internet. Einen Versuch ist es immer wert. Hermannus Pfeiffer

Buchtipp: Nur noch antiquarisch (www.zvab.de) zu erhalten, aber immer noch unübertroffen in der grundlegenden Argumentation: Wolfgang Kessler und Antje Schneeweiß: Geld und Gewissen - Tu Gutes und verdiene daran.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln