Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Geteiltes Land

Mehr Herzinfarkttote und weniger Fachärzte im Osten

2012 starben 52 516 Menschen in der Bundesrepublik an einem Herzinfarkt, wie sich im jüngsten Bericht der Deutschen Herzstiftung nachlesen lässt. Das sind bundesweit durchschnittlich 65 Tote auf 100 000 Einwohner, die der Akute Myokardinfarkt mit dem Diagnoseschlüssel ICD 10/121 das Leben kostet. Bei diesem Vorgang zerfällt Herzmuskelgewebe infolge von Sauerstoffmangel. Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie die Koronare Herzkrankheit, Infarkte, Rhythmusstörungen, Herzschwäche und Herzklappenkrankheiten verursachen die meisten Todesfälle in Deutschland, danach folgt der Krebs.

Nachdem die Anzahl der Herzinfarkttoten in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gesunken war, gab es also 2012 gegenüber 2011 eine leichte Zunahme zu verzeichnen. Experten wie Prof. Dr. Christian Hamm, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, Herz- und Kreislaufforschung, halten das für eine Folge der gestiegenen Lebenserwartung. Gravierender als dieses leichte Wachstum dürften die regionalen Unterschiede in Deutschland sein. Das Land zerfällt in zwei Hälften, von denen eine aussieht wie die DDR - in Brandenburg und Sachsen-Anhalt liegen die Sterbeziffern bei 105 und 103 auf 100 000 Einwohner. Kurz danach folgen Sachsen (94), Mecklenburg-Vorpommern (79) und Thüringen (79). Die geringste Sterblichkeit aufgrund von Herzinfarkten haben Schleswig-Holstein (46), Hamburg (52) und Hessen (54). Das sind keine kleinen Unterschiede und sie sind seit Jahren da. Erklärungen dürften folglich nicht einfach sein und Verbesserungen der Lage nicht schnell zu erreichen.

Zu den Risikofaktoren für Herzkrankheiten gehören Übergewicht, Diabetes, Rauchen, Ernährungsdefizite. Sie sind in Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen überproportional vorhanden. Arbeitslosigkeit und daraus resultierende Armut gehört ebenfalls in den ungesunden Cocktail, der den Menschen ans Herz geht. Auch Qualität und Dichte der medizinischen Versorgung dürften eine Rolle spielen.

Laut Herzbericht weisen die Länder mit der höchsten Infarktsterblichkeit mit Ausnahme von Sachsen die geringste Versorgungsdichte mit zugelassenen Kardiologen auf. 2013 behandelte ein Kardiologe in Thüringen 36 014, in Mecklenburg-Vorpommern 34 707 und in Brandenburg 33 097 Einwohner. Die meisten Kardiologen arbeiten in Bremen, wo ein Facharzt 18 783 Einwohner behandelt, und in Hamburg. Hier ist er für 21 040 Einwohner zuständig.

Um die Qualität der Behandlung optimieren zu können, wäre ein bundesweites Herzinfarktregister wichtig, es existieren aber bislang nur einige regionale Register in Berlin, Mannheim, München, Augsburg, Sachsen-Anhalt.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln