Von Alexander Ludewig

Das Warten hat ein Ende, das Schachern beginnt

Im Winter 2022 soll die umstrittene Fußball-WM in Katar gespielt werden

Der Termin steht: Im November und Dezember wird 2022 in Katar die Fußball-WM gespielt, das Finale einen Tag vor Heiligabend. Die FIFA lässt sich ihr Winterturnier einiges kosten, Skrupel hatte sie noch nie.

Das Wetter ist auch in allerhöchsten Funktionärskreisen ein beliebtes Gesprächsthema. Ein halbes Jahr lang ließ der Weltfußballverband FIFA debattieren. Am Dienstag war es dann endlich soweit: Die Terminfindungskommission, besetzt mit Vertretern der FIFA, aller kontinentalen Fußballverbände sowie der finanzstärksten Ligen und Klubs, befand, dass die Weltmeisterschaft 2022 in Katar unbedingt im Winter, von November bis Dezember gespielt werden muss. Am Ende stand dieser Satz: »Es gab nur diese Lösung«, verkündete FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke. Dass die Exekutive des Weltverbandes der Empfehlung der Kommission in knapp einem Monat in Zürich folgen und somit die Terminierung des Turniers abschließen wird, gilt als sicher.

Das hässliche Gesamtpaket ist also geschnürt: Die FIFA behindert beharrlich die Ermittlungen zur nachweislich korrupten Vergabe der WM an Katar. Das Emirat verschleppt weiterhin die Verbesserungen der teils unmenschlichen Bedingungen für Gastarbeiter auf den WM-Baustellen - trotz Hunderter Toter. Die lebensgefährlichen Verhältnisse für Arbeitsmigranten aus Nepal, Pakistan oder Indien waren beim Votum für Katar im Dezember 2010 ebenso bekannt wie das Klima im dortigen Wüstensommer mit bis zu 50 Grad Celsius.

Daher wundert es nicht, dass die FIFA trotz weltweiter Kritik das Turnier weiterhin auf Biegen und Brechen in Katar durchziehen will. Das viele Geld der Scheichs bringt mehr auf die Waage, als manch Menschenleben. Am Dienstag in Doha ging es ebenfalls um mehr als Jahreszeiten und Temperaturen. »Das wird unser Geschäft beeinflussen«, hatte Karl-Heinz Rummenigge als Vorsitzender der europäischen Klubvereinigung ECA schon vorher zur Verlegung der WM in den Winter angekündigt. Und: »Die Kosten können nicht von den Vereinen übernommen werden.«

Der gesamte Spielplan im Weltfußball muss umgestellt werden. Den nationalen Ligen entstehen dadurch erhebliche Mehrkosten und Einnahmeausfälle. Allzu großen Widerstand gab es nicht. Stattdessen einen relativ schnellen Kompromiss, der mit Sicherheit großzügig ausgeglichen wird. Wofür auch immer, Geld und Katar - das ist wie Sand und Wüste. Apropos: Rummenigge ließ sich als ECA-Chef in Doha vom Geschäftsführer des AC Mailand Adriano Galliani vertreten. Seit einer seiner letzten Reisen ins Emirat ist Rummenigge vorbestraft, weil er zwei mitgebrachte Luxusuhren nicht verzollen wollte.

Das skrupellose Schachern hat aber nicht nur den Fußball erfasst. Denn die WM wirbelt den gesamten Sportkalender durcheinander. Die Olympischen Winterspiele 2022 betrifft das nicht mehr, da die Fußballer nicht im Februar sondern erst ab November um den Weltpokal spielen werden. FIFA-Präsident Sepp Blatter sitzt ja nicht umsonst auch im Internationalen Olympischen Komitee. Neben den vielen Fußballklubs und Ligaverbänden dürfen sich aber auch etliche andere Sportverbände auf nette Entschädigungszahlungen freuen, vor allem aus dem Wintersport.

Eine noch ganz andere Dimension bekommt die Geschichte mit Blick in die USA. Dort herrscht im Winter der American Football, auch und vor allem im bezahlbaren Fernsehen. Als der US-amerikanische TV-Riese »Fox« von den Winterplänen der FIFA erfuhr, war er entsprechend entrüstet. Aber nur kurz: Nachdem der Weltverband dem Sender die Fernsehrechte für die Fußball-WM 2026 zuschob - ohne eine Ausschreibung, die ihm wesentlich mehr Geld eingebracht hätte -, waren beide wieder beste Freunde. Bei der FIFA muss man auf alles gefasst sein. Auch darauf, dass die WM 2026 an die USA vergeben werden. Sie werden schon jetzt hoch gehandelt.

Artikel weiterempfehlen und ausdrucken