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Dresden: Tausende zeigen Solidarität mit Flüchtlingen

»You can also become refugees«: Demonstration in der sächsischen Landeshauptstadt / Widerstand gegen rechte Pegida-Bewegung und Rassismus in Behörden und Alltag

Berlin. Mehrere tausend Menschen haben am Samstag in Dresden für einen solidarischen Umgang mit Flüchtlingen demonstriert. Sie folgten verschiedenen Aufrufen von Flüchtlingsinitiativen sowie von Wissenschaftlern, die bundesweit vorab von über 800 Einzelpersonen und vielen Organisationen unterzeichnet worden waren. Die Demonstration richtete sich auch gegen die Aktivitäten der seit Oktober vor allem in Dresden aktiven rechten Initiative Pegida. Diese sei, heißt es in einem der Aufrufe, die »bedeutendste Strömung der Gegenaufklärung in der jüngeren deutschen Geschichte« und berge eine »soziale Dynamik, die gefährlich ist«.

Die Folgen seien für Migranten im Alltag spürbar, sagte die junge Dresdner Kurdin Berfin K. bei der Auftaktkundgebung auf dem Dresdner Theaterplatz. »Wir Ausländer müssen mit komischen Blicken rechnen, wenn wir unsere Muttersprache sprechen.« Dabei seien die Sorgen vor einer von Pegida beschworenen angeblichen »Islamisierung« des Abendlandes schon allein angesichts der geringen Zahl der in Sachsen lebenden Muslime grotesk, sagte Berfin K. und übersetzte unter großem Beifall das Kürzel der Bewegung mit »Patriotische Europäer, die Gehirn abgeben«.

Die durch Pegida geschürte Stimmung habe für Zuwanderer oft weit mehr als schiefe Blicke zur Folge, sagte Andrea Hübler von der Opferberatung RAA. Sie verwies darauf, dass die Zahl der rassistisch motivierten Übergriffe im Freistaat im Jahr 2014 um 90 Prozent zugenommen habe. Allein in der Landeshauptstadt habe es im vergangenen Jahr 36 Übergriffe gegeben, davon 14 seit dem Beginn der »Pegida«-Aufmärsche im Oktober. Seit Jahresbeginn habe man weitere zehn Attacken registriert. Hübler sprach von einem »Klima, das für Geflüchtete gefährlich ist«. Dresden, sagte sie, habe »ein Problem mit Rassismus«.

Die Demonstration sollte auch unter Beweis stellen, dass die Stadt sich gegen diesen Kurs wehrt. Zu den Teilnehmern gehörten zahlreiche Studenten. Gewerkschaften und Parteien von SPD über Grüne bis Linke hatten zur Beteiligung aufgerufen. Auch Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping und Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (beide SPD) zählten zu den Teilnehmern.

Ali Moradi vom sächsischen Flüchtlingsrat betonte, dass zahlreiche Flüchtlinge sich an der Organisation der Veranstaltung beteiligt hätten. »Wir waren seit einigen Monaten in der Defensive und wurden von Pegida und einer Welle von Rassismus überrollt«, sagte Moradi: »Jetzt müssen wir uns wiederfinden und in die Offensive kommen.« Dass die Migranten dabei selbst aktiv werden, sei »ein ermutigendes Zeichen«.

In einem auf dem Theaterplatz verlesenen Aufruf von Flüchtlingsinitiativen wurden auch konkrete Forderungen formuliert. Zuwanderer wünschten nicht nur gleiche Pflichten, sondern auch gleiche Rechte wie Deutsche, hieß es. Zudem »würden wir gern arbeiten und unseren Lebensunterhalt selbst verdienen« sowie in Wohnungen statt in Heimen leben. Die dortige Situation sei oft »katastrophal und für viele von uns ein Schock«, sagte eine Sprecherin. Mehr Einfühlungsvermögen könnte solche Zustände verhindern, wie ein Transparent vor der Bühne nahelegte. »You can also become refugees«, war dort zu lesen: »Auch ihr könnt zu Flüchtlingen werden«. epd/nd

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