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Scholz gegen Müller

Andreas Koristka fragt sich, ob korruptionsfreies Olympia beim IOC ohne ein bisschen Nachhilfe durchzusetzen ist

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Ein Zweikampf elektrisiert die Bundesrepublik: Berlin und Hamburg, zwei pulsierende Städte, die niemals schlafen oder ihre Großbaustellen fertigstellen, bewerben sich um die Bewerbung für die Olympischen Spiele. Glaubt man den Experten, dann haben die Hamburger in diesem Duell knapp die Nase vorn. Aber die Hauptstädter sind weit davon entfernt aufzugeben. Neulich standen hartgesottene Olympiafans sogar am Brandenburger Tor und rappten den eigens komponierten Bewerbungsrap. Wer bei dessen Refrain »Wir wolln die Spiele / wir stehn auf den Dächern der Stadt / die Athleten, sie setzen sich ihre Ziele / für den Erfolg kämpfen sie Tag und Nacht / ohohohoho« keine Gänsehaut bekommt, der hat kein Herz für Hilfsschülerpoesie der gehobenen Gütestufe.

Eigentlich hat Berlin dank seiner wechselvollen Geschichte einen Standortvorteil in dem epochalen Wettstreit. Man mag sich die einzigartige Kraft der Bilder vorstellen, die um die Welt gehen werden, wenn Angela Merkel den Athleten zuwinkt - zwar mit angewinkelten Ellbogen, aber immerhin von der Führerloge des Olympiastadions aus! Allerdings kämpfen die Hamburger so verbissen gegen ihren Mitbewerber wie eine mit Steroiden vollgetankte Sprinterin gegen die Erektion im hautengen Sportdress. So organisierte man beispielsweise einen schönen Fackelaufzug, bei dem 25 000 Menschen um die Alster herumstanden. Mehr Euphorie geht nicht - und mehr Riefenstahl-Ästhetik auch nicht!

Jetzt sollen die Bewohner endgültig zeigen, welche Stadt Olympia mehr will. Eine Forsa-Umfrage soll herausfinden, ob Berliner oder Hamburger williger sind, die Jugend der Welt und McDonald's willkommen zu heißen. Darum hat es sich der Berliner Senat nicht nehmen lassen, eine Infobroschüre herauszubringen. Die Berliner sollen wissen, was sie am Telefon zu sagen haben. Wären sie nicht instruiert worden, dann hätte es gut sein können, dass die für ihren Mutterwitz und ihre nonchalante Art berühmt-berüchtigten Hauptstädter (»Janz Berlin is eene Wolke und jetzt stech ick dir ab, du Hurensohn!«) den Damen und Herren vom Meinungsforschungsinstitut missverständlich geantwortet hätten.

Darum erklärte im besagten Infoblatt Günther Jauch persönlich, dass es falsch ist, »wenn immer mehr sportliche Großereignisse ausgerechnet von autokratischen Systemen organisiert werden«. Unklar blieb, ob Jauch auf das IOC oder doch eher Hamburg anspielte. Aber eines war gewiss: »Berlin als Hauptstadt eines demokratischen Deutschlands wäre ein großartiger Gastgeber für die Spiele.«

Ob sich Jauchs Einsatz gelohnt hat? Um den 10. März herum darf man mit dem Ergebnis der Umfrage rechnen. Die Spannung ist kaum noch auszuhalten. Doch was wird geschehen, wenn es einen Gleichstand zwischen den Bewerbern gibt? Für diesen Fall hat man vorgesorgt: In einem fairen Wettstreit werden die beiden Stadtoberhäupter gegeneinander antreten: Olaf Scholz, der Mann mit dem schillernden Charisma eines Leitz-Abheftbügels, und sein berühmtes Berliner Pendant Torsten oder Christian Müller oder so ähnlich werden sich ein nie gesehenes Rededuell liefern.

Wer dieses gewonnen hat, werden uns die wenigen überlebenden Zuschauer berichten, die bei Sätzen wie »Die große Bandbreite der nachhaltigen Diskussion zwischen den Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt und die positiven Signale, die von ihr ausgehen, bereichern unsere Gesellschaft« dem Impuls widerstehen können, sich die Pulsadern aufzubeißen.

Die Verliererstadt sollte dann aber nicht allzu traurig sein. Erstens ist es sehr fraglich, dass das von beiden Städten angestrebte Konzept der Spiele ohne Korruption wirklich beim IOC verfängt (obwohl man da natürlich etwas nachhelfen kann …). Und zweitens liegen die Metropolen so dicht beieinander, dass man sich Olympia in der anderen Stadt angucken könnte. Fragt sich nur, warum man das tun sollte.

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