Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Korallen ersticken an Mikromüll

Das Great Barrier Reef in Australien kann die winzigen Plastikteilchen nicht verdauen

  • Von Barbara Barkhausen, Sydney
  • Lesedauer: 2 Min.
Australische Forscher entdeckten, dass Korallen im Great Barrier Reef mikroskopisch kleinen Plastikmüll fressen. Auch daher ist das weltgrößte Riff in Gefahr. Die Zahl der Korallen ging um die Hälfte zurück.

Korallen sind außergewöhnliche Lebewesen. Sie leben in Symbiose mit einzelligen Algen und ernähren sich von Plankton, kleinen Fischen und anderen Organismen im Meereswasser. Auch die vielen winzigen Plastikteilchen, die im Meer schwimmen, werden nicht ausgefiltert, sondern mit verdaut, wie australische Wissenschaftler jetzt nachweisen konnten.

Während eines Experiments der James Cook Universität in Australien hatten Korallen, die mit Plastikteilchen in einem Becken waren, diese bereits nach zwei Tagen im System. »Wir fanden heraus, dass die Korallen jeden Tag nur minimal weniger Plastik als Meeresplankton zu sich nahmen«, sagte Mia Hoogenboom, Meeresbiologin an der James Cook Universität. »Wenn die Verschmutzung mit Mikroplastik im Great Barrier Reef zunimmt, könnten auch die Korallen davon Schaden nehmen, da ihre kleinen Magenhohlräume voller unverdaulicher Plastikteile wären.«

Plastikmüll im Meer ist nicht nur am Great Barrier Reef ein Problem. Laut der Naturschutzorganisation WWF schwimmen in jedem Quadratkilometer der Ozeane zehntausende Teile Plastikmüll. Größere Plastikteile treiben häufig in riesigen Strudeln in den Ozeanen.

Besonders problematisch ist, dass Plastik sich in immer kleinere Teilchen zersetzt, die von Seevögeln, Schildkröten und Fischen gefressen werden. Die Tiere gehen nicht selten qualvoll an ihnen zugrunde. »Sogar in Muscheln, die Planktonfiltrierer sind, konnte man schon kleine Plastikteilchen nachweisen«, zitiert WWF den Experten für Meeresschutz, Stephan Lutter. Hoogenboom schlägt in die gleiche Kerbe wie der Deutsche: »Plastikverschmutzung im Meer ist ein globales Problem und Mikroteilchen können einen negativen Effekt auf die Gesundheit von Meeresorganismen haben.« Leider betrifft dies auch die bereits stark angeschlagenen Korallen des Great Barrier Reefs, wie die Biologin herausfand, bei denen sie das Plastik tief im Inneren der Polypen im Verdauungsgewebe wiederfand.

Die Korallen im Great Barrier Reef sind laut einer Studie von 2012 sind sie innerhalb von nur 27 Jahren um über 50 Prozent zurückgegangen. Klimawandel, Stürme, Abwässer aus der Landwirtschaft, die Ausbreitung des Dornenkronenseesterns, der die Korallen abfrisst, und Hafenerweiterungen schwächten das Riff in den vergangenen Jahrzehnten massiv.

Zudem beobachten Wissenschaftler augenblicklich eine massive Korallenbleiche im Nordpazifik, die ein Vorbote für ein »historisches Korallensterben« weltweit sein könnte. Diese Korallenbleiche gefährdet auch das Great Barrier Reef, wo viele Korallen bereits »blass« aussehen, wie Ove Hoegh-Guldberg, ein Experte für Korallenriffe an der Universität von Queensland, berichtete.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung
  • Lastschrift

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln