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Lippenstift im Baumwollbeutel

Drogeriemärkte verzichten zunehmend auf kostenlose Plastiktüten / Verbraucher reagieren positiv

  • Von Nico Pointner, Stuttgart
  • Lesedauer: 3 Min.
Immer mehr Drogerieketten machen Schluss mit kostenlosen Plastiktüten. Bei dm und Müller müssen Kunden Geld berappen für die umweltschädlichen Beutel. Das zeigt offenbar Wirkung.

Kostenlose Plastiktüten verschwinden mehr und mehr aus dem deutschen Einzelhandel. Einige Drogeriemarktketten wollen den Verbrauch von Plastiktüten drosseln, indem sie Geld dafür verlangen oder keine leichten Einwegtüten mehr anbieten.

Laut dem Unternehmen Müller mit Sitz in Ulm verzichten die meisten Menschen seitdem auf die Plastiktüten. »85 Prozent der Kunden haben keine Taschen mehr nachgefragt«, sagte Sprecherin Tatjana Meier. Die Handelskette verlangt seit Anfang Februar nun zwischen fünf und 15 Cent für die jahrzehntelang kostenlosen Plastiktüten.

Hierzulande würden nur rund 14 Prozent der Müller-Kunden Einweg-Tragetaschen kaufen, in der Schweiz 19 Prozent, in Österreich 20 Prozent und in Slowenien, Spanien und Kroatien sogar rund 30 Prozent. Aber: »Fast jeder hat vorher eine Plastiktüte mitgenommen«, sagte Meier. Gleichzeitig biete die Handelskette nun Baumwolltaschen für 2,50 Euro das Stück an. »Wir mussten nach drei Wochen neu produzieren, weil die Nachfrage so groß war«, sagte Meier.

Auch der deutsche Branchenprimus dm will Plastiktüten künftig nicht mehr kostenlos abgeben und so ein Zeichen gegen die Umweltbelastung durch Plastikmüll setzen. Ein Sprecher des Unternehmens in Karlsruhe hatte am Donnerstag einen Bericht der Tageszeitung »Die Welt« bestätigt. Allerdings erstreckt sich die Umstellung bei dm zunächst nicht auf alle Märkte. Die Entscheidung treffe jede Filiale für sich, sagte der Sprecher. Der Beschluss folgt einem Testlauf mit überwiegend positiven Reaktionen.

Die Hamburger Drogeriemarktkette Budnikowsky hatte ihre kostenlosen Abreißtüten an der Kasse bereits Ende vergangenen Jahres vom Haken genommen. »Die verwehen leicht und sind ein großes Umweltärgernis«, sagte Sharon Heymann, die bei »Budni« für die Nachhaltigkeit verantwortlich ist. Die Kunden hätten das gut angenommen. Zudem gebe es Baumwollbeutel und »Pfandtaschen« aus recyceltem Material.

Die Firma Rossmann aus dem niedersächsischen Burgwedel verzichtet bisher nur stellenweise auf Gratistüten. »Wir testen gerade in Filialen in Stuttgart, ob die Kunden rebellieren«, berichtet Sprecher Stephan-Thomas Klose. »Bisher scheint der Aufstand ausgeblieben zu sein.« Die Begeisterung des Sprechers hielt sich aber in Grenzen. »Das war ein kleines Serviceangebot, der Kunde hat das genutzt und geschätzt.« Die kostenlosen Tüten würden aufgrund des medialen Drucks aber früher oder später aus den Läden verschwinden, obwohl es kein gesetzliches Verbot in Deutschland gebe. »Das ist einfach nur vorauseilender Gehorsam.«

In der Europäischen Union (EU) landen jährlich acht Milliarden Beutel in der Landschaft oder im Meer, mit verheerenden Folgen für Pflanzen- und Tierwelt. Deshalb sagt auch die EU den Plastiktüten den Kampf an. Am Montag hatten die EU-Minister beschlossen, dass die Mitgliedstaaten künftig die umweltschädlichen Einwegtüten besteuern oder national sogar verbieten dürfen. Ein Vorstoß für ein europaweites Verbot hatte aber keine Mehrheit gefunden. dpa/nd

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