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Nachtragende Kraftbündel

Wasserbüffel sollte man gut behandeln, denn sie sind nicht nur groß und schwer, sondern haben auch Charakter

  • Von Harald Lachmann
  • Lesedauer: 3 Min.
Wer auf Wasserbüffel steht, braucht ein Händchen für Tiere. Denn die Kraftpakete seien »schon etwas speziell«, sagt Katrin Lantzsch aus dem mittelsächsischen Forchheim, die eine kleine Herde hält.

Frau Müller bleibt sperrig. Sie mag sich nicht den gehörnten Kopf kraulen lassen. Wenn Katrin Lantzsch sagt, Wasserbüffel wären »schon etwas speziell«, wirkt Frau Müller besonders speziell. »Unnahbar, eigensinnig, aber schlau«, bringt sie es auf den Punkt. Doch wer nennt schon eine Kuh Frau Müller?

Katrin Lantzsch lacht: Das rühre aus einer gewissen Ähnlichkeit zu einer früheren Bekannten. Eben deren Charakterzüge habe auch das asiatische Rind aufgewiesen, als sie es 2003 erwarb. »Noch ein richtiger Wildfang, offenbar fast ohne menschlichen Kontakt«, erinnert sie sich. Und jenes Fremdeln habe sich bei der nun 12-jährigen Leitkuh ihrer kleinen Herde nie wirklich gelegt.

Auch dies sei einer der Gründe, so die 50-Jährige, weshalb sie erste Pläne zur Vermarktung der Büffelmilch bald schon verwarf. Indes wäre auch die Milchausbeute der in Asien zumeist als Last- und Zugtiere genutzten Rinder eher gering, zumal auch das Melken zeitaufwändig sei. Dabei habe es die Milch durchaus in sich, versichert sie: »Vitaminreich, cholesterinarm und mit neun Prozent Fett eine richtig gehaltvolle Kaffeesahne.«

Dank weiterer Zuchtstränge über einen neuen Bullen verschwand zwar jene Scheu nach und nach aus der Herde, doch der Verkauf properer Büffelkälber an andere Züchter lohne letztlich mehr als Milchvermarktung, so die Sächsin. Indes sei auch die Nachfrage nach Jungrindern schon besser gewesen: »Als wir anfingen, gab es keine 1000 Wasserbüffel in deutscher Hand, nun sind es über 4000.« Dennoch bekäme man die Nachzucht allemal lukrativer verkauft als etwa Pferdefohlen.

Zugelegt hatte sich Familie Lantzsch die Wasserbüffel einst als sinnvolle Ergänzung zu ihrer schon in den 1980er Jahren gestarteten Zucht von Quarter Horses. Man suchte Wiederkäuer für das effektive Nachweiden der Westernpferdekoppeln. Hiesige Rinder kamen dafür nicht in Frage: »Die Kuh frisst nicht, was das Pferd stehen lässt...«, so die gelernte Rinderzüchterin.

Heute kennt Katrin Lantzsch recht genau das »Spezielle« ihrer Wasserbüffel. Gerade deren Klugheit unterscheide sie von den mitunter recht folgsam-teilnahmslosen Kühen hierzulande. »Sie haben noch Charakter«, lacht sie. So spürten sie auch genau, wer es »gut mit ihnen meint und wer ein Arschloch ist«. Würden sie immerfort schikaniert, neigten sie zum Ausbüchsen oder »sie entwickeln einen Hang zur Rache: Wasserbüffel können richtig nachtragend sein!« Interessierte Halter sollten denn schon einige Sensibilität und Erfahrung im Umgang mit Tieren mitbringen. Immerhin ließen sie sich angesichts ihrer unbändigen Kraft - ein Bulle wiegt bis 800 Kilo - nicht wirklich zu etwas zwingen. »Das macht sie auch ungeeignet für Massentierhaltungen«, ist sie sicher.

Sieben Tiere umfasst ihre Herde: ein Bulle und drei Kühe mit je einem Kalb. Im Winter stehen sie im Offenstall hinterm Haus, zu dem ein solider Auslauf gehört, ab Frühjahr wieder auf den Weiden, wo sie einen ständigen Zugang zum Wasser haben. Auf zusätzliches Kraftfutter verzichtet die Züchterin indes hier wie da - sie hält es »nicht für artgerecht, sie auf Leistung zu trimmen«. Dafür erlaube es ihnen ihre Genügsamkeit, auch Grobfutter gut zu verwerten, etwa Binsen, Ampfer, Schilf, Brennnesseln oder minderwertiges Stroh.

Würden Wasserbüffel aber artgerecht gehalten, so versichert sie, wären sie auch sehr robust und widerstandsfähig gegenüber Krankheiten, Klima und Wetter. Das eigne sie - auch wegen ihrer breiten Klauen - im besonderen Maße für die extensive Landschaftspflege auf unwegsam-sumpfigem und feuchtem Weideland, wie sie von hiesigen Rindern halt nicht beweidet werden können.

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