Die Mehrzahl von Wand

»89/90« - Peter Richter erzählt eine andere Version der Legende vom deutsch-deutschen Taumel

  • Von Martin Hatzius
  • Lesedauer: ca. 8.5 Min.

Es gibt einen Bruch in Peter Richters Buch, der im denkbar schlichten Titel durch nichts weiter als einen Schrägstrich markiert ist - »89/90« -, und es ist diese Markierung, die aus Freunden Feinde werden lässt, aus Frieden Krieg. Ja, Krieg. Anders kann man die blutigen Schlachten nicht bezeichnen, von denen im zweiten Teil des in der Mitte geteilten Buches berichtet wird; ein Bürgerkrieg zwischen Rechten und Linken, bewaffnet geführt, brutal und zunehmend mordlustig. Der Kriegsschauplatz heißt Dresden, die meisten Kämpfer sind - wie der Erzähler - nicht älter als sechzehn, siebzehn. Es sind dieselben Jugendlichen, die sich nun auf den Straßen bis auf den Tod bekämpfen, die noch im vergangenen Sommer die Nächte gemeinsam im Freibad verbracht hatten - illegal, ohne Bademeister und nörgelnde Kinder und manchmal, bis die Volkspolizei kam und sie vertrieb. Na und! Mehr Freiheit als damals, in jenem letzten Sommer der DDR, war nie. So steht...


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