Hamburgs Bürgermeister zurückhaltend

Fußballidol Uwe Seeler sieht schon Entscheidung

  • Von Folke Havekost, Hamburg
  • Lesedauer: 3 Min.

Der altgediente Mittelstürmer preschte am stärksten vor. »Dann ist das ja an und für sich schon entschieden«, frohlockte das Hamburger Fußballidol Uwe Seeler, als er vom 64:55-Umfragesieg seiner Heimatstadt gegen Berlin erfuhr. Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz gab sich zurückhaltender: »Die heute vorgelegten Zahlen sind ein Schritt hin zu einer deutschen Olympiabewerbung und ein großes Kompliment für alle, die den Traum von Spielen an Alster und Elbe wahr machen wollen.«

Denn so klar wie Seeler sahen bei weitem nicht alle Hamburger die Zahlen, die auch in der Hansestadt unter der Zustimmungsrate bei einer ähnlichen Umfrage in München blieben, nach der eine Bewerbung für Olympische Winterspiele 2022 dann doch mehrheitlich abgelehnt wurde. »Die Kampagnenlobby hat ihr erhofftes Ergebnis nicht geschafft«, äußerte sich Mehmet Yildiz, der sportpolitische Sprecher der LINKEN-Bürgerschaftsfraktion. Hamburgs Sportbund-Chef Jürgen Mantell hatte »70 Prozent plus x« Zustimmung als Ziel ausgegeben.

Grünen-Landesvorsitzende Katharina Fegebank, die bald Zweite Bürgermeisterin sein könnte, begrüßte die Resultate, mahnte jedoch: »Wir brauchen möglichst umfangreiche Kostenklarheit. Eine Hamburger Bewerbung ist dann denkbar, wenn die Stadt sich die Spiele leisten kann.«

Auf die Diskussion über Kosten und andere Belastungen, die durch Olympische Spiele entstehen könnten, konzentrieren sich auch die Gegner - schließlich seien in der vorliegenden Forsa-Umfrage nur Stimmungen ermittelt worden. »In Hamburg gab es bislang keine große NOlympia-Bewegung wie in Berlin, sondern nur ein Blog«, sagte Dirk Seifert, Sprecher der Olympiagegner: »Wenn Hamburg tatsächlich den Zuschlag erhält, wird auch die Opposition wachsen, die vom Senat Fakten und konkrete Zahlen einfordern wird.« Auch die Hamburger LINKE will nötigenfalls nach dem 21. März eine Aufklärungskampagne über Korruption, Knebelverträge und soziale Belastungen durch Olympische Spiele starten.

Der Naturschutzbund Hamburg kritisierte, dass Umweltverbände zum Olympiagipfel im Februar gar nicht eingeladen worden waren. »Wie Hamburg mit besonderer Nachhaltigkeit werben will, wenn man die Vertreter der ökologischen Perspektive gar nicht erst an den Tisch holt, ist mir schleierhaft«, erklärte NABU-Landesvorsitzender Alexander Porschke.

»Jetzt heißt es volle Kraft voraus, um die einmalige Chance, die Olympia für Hamburg bietet, so entschlossen wie möglich zu ergreifen«, gab dagegen der neue CDU-Fraktionschef André Trepoll als Devise aus. In Hamburg setzen die Olympiabefürworter darauf, dass die Angst des DOSB vor einer Abstimmungsniederlage in Berlin größer ist als die Neigung, die Spiele im Glanz der Hauptstadt auszurichten. In diesem Sinne erklärte Reinhard Wolf als Olympia-Beauftragter der Handelskammer: »Das klare Ja kann dem DOSB die Sicherheit geben, dass auch in einem Referendum im Herbst eine Olympiabewerbung der Hansestadt bestätigt wird.«

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