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Athen: Wir haben 400.000 Seiten NS-Akten

Staatssekretär: Dokumente untermauern die Forderung nach Reparationszahlungen / SPD-Außenpolitiker Roth plädiert dafür, mehr miteinander zu reden - statt übereinander / Warnung vor schädlichen Klischees

Update 20.25 Uhr: Im Streit um die Forderung nach deutschen Reparationszahlungen für NS-Verbrechen hat die griechische Regierung nachgelegt. Die griechischen Behörden verfügten über ein 400.000 Seiten umfassendes Archiv mit Unterlagen der deutschen Wehrmacht, erklärte das Verteidigungsministerium in Athen am Freitag. Diese Dokumente untermauerten die Forderung nach Reparationszahlungen. »Sie belegen nicht nur eine historische Wahrheit - es sind die Dokumente der Wehrmacht selbst, der Besatzungsmacht«, sagte Verteidigungsstaatssekretär Kostas Isichos. Die aus US-Archiven stammenden Unterlagen umfassten Tagebücher und Berichte von Offizieren an ihre Vorgesetzten - »hauptsächlich geheime Dokumente«, sagte Isichos. Die Akten könnten weitere Aspekte der Besatzungszeit beleuchten, etwa illegale archäologische Ausgrabungen durch Deutsche und Plünderungen. Damit könnten die griechisch-deutschen Beziehungen »gestärkt, nicht vergiftet« werden. »Deutsche Universitäten, Intellektuelle und das deutsche Volk sind eingeladen, gemeinsam mit uns diese historische Wahrheit zu entdecken und eine offene Wunde zu schließen«, sagte der Staatssekretär. Die neue griechische Regierung hatte in den vergangenen Tagen erneut die seit langem bestehende Forderung nach deutschen Reparationen für deutsche Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg aufgebracht. Die Bundesregierung lehnt Reparationszahlungen ab, sie betrachtet die Angelegenheit als rechtlich abschließend geregelt.

Staatsminister Roth: Wir stehen zu unserer Schuld

Berlin. In der Debatte über die Forderung der SYRIZA-geführten Regierung in Griechenland nach Reparationszahlungen für Nazi-Verbrechen hat der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Roth, für verbale Abrüstung plädiert. »In einer solch angespannten und emotionalen Situation muss auf beiden Seiten alles unterlassen werden, was weiteres Öl ins Feuer gießt«, sagte der Sozialdemokrat gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. In beiden Ländern gebe es Klischees über den jeweiligen Partner, die nichts mit der Wirklichkeit zu tun hätten. Solchen schädlichen Stereotypen dürfe kein Vorschub geleistet werden. »Wir sollten nicht übereinander, sondern miteinander reden«, forderte Roth.

Mit Blick auf die Reparationsforderungen sagte Roth, »Nazi-Deutschland hat in Griechenland furchtbare Gräueltaten begangen. Wir stehen zu unserer Schuld und zu unserer historischen und moralischen Verantwortung.« Es dürfe aber kein Zusammenhang konstruiert werden zwischen Verbrechen vor 70 Jahren und der aktuellen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Lage in Griechenland. »Ich möchte an alle appellieren: Es darf nicht der Eindruck erweckt werden, wir könnten uns von irgendetwas freikaufen«, sagte er

Zwischen Berlin und Athen bestünden unterschiedliche Rechtsauffassungen, ob das Thema Reparationen abgeschlossen sei oder nicht. Umso wichtiger sei es, im Rahmen des deutsch-griechischen »Zukunftsfonds« die schwierige gemeinsame Geschichte aufzuarbeiten. Der Fonds war 2014 geschaffen worden, um die Versöhnung zwischen Deutschland und Griechenland zu fördern. »Vielen Menschen in Griechenland geht es dreckig. Das muss anders und besser werden, und genau das ist ja das Ziel der europäischen Bemühungen.« Solidarität sei aber keine Einbahnstraße. »Europa ist kein Pokerspiel, Europa lebt vom Kompromiss und vom Vertrauen«, so Roth. Agenturen/nd

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