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Astronauten auf Zwillingsmission

Das All wird für Scott Kelly für ein Jahr zur Heimat, sein Bruder ist Vergleichsproband auf der Erde

  • Von John Dyer, Boston
  • Lesedauer: 3 Min.
Bei einem Langzeitexperiment der NASA wird Astronaut Scott Kelly ein Jahr an Bord der ISS bleiben. Seine Lebenszeichen werden mit denen seines Zwillingsbruders verglichen.

Es ist die längste Mission der US-Raumfahrtbehörde NASA. Astronaut Scott Kelly nennt seit einigen Tagen nach einem sechsstündigen Flug in einer Sojus-Rakete für ein Jahr die Internationale Raumstation ISS sein Zuhause. Dabei hat er erst einmal Gesellschaft von den russischen Kosmonauten Michail Kornijenko und Gennadi Padalka.

Die Mission gilt als entscheidend für die weiteren Pläne der NASA. Vor vier Jahren hat die ihr Space-Shuttle-Programm eingestellt. Kelly wird an einem Experiment teilnehmen, bei dem seine Lebenszeichen überwacht und mit denen seines Zwillingsbruders verglichen werden. Ex-Astronaut Mark Kelly bleibt auf der Erde. Da beide identische Gene haben, können die Auswirkungen eines langen Aufenthaltes im All auf den menschlichen Körper analysiert werden. Die NASA bereitet damit bemannte Missionen zu einem Asteroiden und dem Mars vor.

Die Schwerelosigkeit führt zu einer verminderten Knochendichte, Astronauten sind zudem Strahlung ausgesetzt. Kreislauf und Muskeln werden ohne Schwerkraft in Mitleidenschaft gezogen. Der Aufenthalt in einem beengten Metallgehäuse hat Auswirkungen auf die Psyche. «Wir machen das jetzt, damit wir diese Auswirkungen etwas mildern können», erklärte Kelly. «Vielleicht können wir dann tiefer in den Raum vordringen und an Orte vordringen, an denen noch nie ein Mensch gewesen ist.» Wenn er zurückkehrt, wird er älter als sein Zwillingsbruder sein. Zumindest wenn es nach Albert Einstein geht, der erklärt hat, dass die Zeit im Weltall schneller fortschreitet.

Mark Kelly, der mit der früheren Kongressabgeordneten Gabrielle Giffords verheiratet ist, die 2011 durch einen Kopfschuss verletzt wurde, will zukünftigen Astronauten mit dem Experiment helfen. «Da draußen kann man immer über Probleme stolpern, wie die Strahlung oder die Sache mit den Knochen. Deswegen bin ich jetzt dabei, um zu helfen.»

Die meisten Astronauten bleiben sechs Monate in der ISS. Frühere sowjetische und russische Kosmonauten verbrachten viel mehr Zeit in der damaligen Raumstation MIR. Waleri Poljakow hält mit einem durchgehenden Aufenthalt von 438 Tagen den Rekord. Auch Gennadi Padalka, der mit Scott Kelly gestartet ist, steht vor einem Rekord. Wenn er in sechs Monaten zurückkehrt, kann er auf 878 Tage im Weltall zurückblicken. Aktuell liegt die Bestleistung bei 803 Tagen, aufgestellt vom Russen Sergej Krikaljow.

Kelly hat 2011 bereits 159 Tage im All verbracht. Nach vier Monaten hatte er genug vom All. Daher war er nicht an einer erneuten Mission interessiert. Doch nach Gesprächen mit NASA-Wissenschaftlern entschieden er und sein Bruder sich für eine Teilnahme. «Ich habe noch mal darüber nachgedacht, mit Freunden und der Familie gesprochen. Dann war mir klar, dass ich mir die Gelegenheit, ein Jahr im Weltraum zu bleiben, nicht entgehen lassen kann. »Die Raumstation ist ein magischer Ort. Aber man kommt da halt nicht weg.«

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