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Querstellen kontra Rostschlamm

Bürgerinitiative wehrt sich gegen Einleitung von Eisenhydroxid in den Altdöberner See

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 5 Min.
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Die Einleitung von Rostschlamm in den Altdöberner See könnte ohne Bürgerbeteiligung genehmigt werden. Damit wäre die LINKE jedoch nicht einverstanden.

Rostschlamm in den Altdöberner See einzuleiten, erwägt die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV). Noch bewertet die LMBV erst einmal die verschiedenen Möglichkeiten, mit dem Eisenhydroxidschlamm (EHS) umzugehen. Die Substanz wird in den Spreewald gespült und färbt die Fließe dort braun, weil das Grundwasser dem Ende der Braunkohleförderung in alten Tagebauen wieder ansteigt. Der EHS soll am Besten vermieden, ansonsten möglichst als Rohstoff verwertet oder zur Not in Seen eingespült werden. Erst wenn es gar nicht anders geht, soll der Schlamm auf Deponien entsorgt werden, erläutert LMBV-Sprecher Uwe Steinhuber den Grundsatz des Vorgehens.

Es steht noch lange nicht fest, ob die Variante der Einspülung in den See wirklich zur Ausführung kommen soll. Bislang wurde das noch nicht einmal beim Landesbergamt beantragt. In frühestens fünf Jahren könnte es zur Einspülung kommen, schätzt Steinhuber. Die Bewohner der umliegenden Dörfer befinden sich jedoch in heller Aufregung. Sie fürchten gesundheitliche Gefahren und das Abwürgen des Fremdenverkehrs, wenn sich der See braun färbt.

Dafür hat der Landtagsabgeordnete Benjamin Raschke (Grüne) großes Verständnis. »Es ist ein Experiment und funktioniert nur unter engen Bedingungen, beispielsweise, wenn der See nicht sauer wird«, sagt er. »Tagebauseen sind aber oft sauer geworden.« Der Altdöberner See ist ein Tagebaurestloch, das gegenwärtig geflutet wird. Erst im Jahr 2021 wird er komplett gefüllt sein. Raschke erklärt sich die Ablehnung der Bürger mit den negativen Erfahrungen. So seien in der Vergangenheit Kippen abgerutscht, obwohl dies nicht geschehen sollte. Nach Ansicht der Grünen sollte der Rostschlamm an Land gelagert und in 15 Jahren verwertet werden, wenn die Technik weiter fortgeschritten ist. »Aus EHS werden jetzt schon Filter für Biogasanlagen hergestellt, aber noch nicht in der Größenordnung«, so Raschke.

Die Bürgerinitiative (BI) Altdöberner See sammelt Unterschriften gegen die Einleitung. Innerhalb von zehn Tagen haben sich bereits 1409 Unterstützer online eingetragen. Die klassischen Listen kursieren noch 50 Tage lang. Wie viele dort schon unterzeichnet haben, vermag BI-Sprecher Gernot Lindemann nicht zu sagen. Man könne aber davon ausgehen, dass es eine Menge sei, da die vielen alten Menschen in der Region selten im Internet surfen. Die Zahl der bisherigen Unterschriften sei erstaunlich, da in der Gemeinde Altdöbern bloß 2500 Einwohner leben. »Warum wird das Eisenhydroxid aus einem Gewässer ausgebaggert?«, fragt Lindemann. »Weil es toxisch wirkt – und deshalb ist es ein Abfallstoff, der auf eine Deponie gehört und nicht in einen See.«

Viele Anwohner haben blaue Kreuze in die Vorgärten gestellt oder an Fassaden angebracht – als Zeichen für einen sauberen See und dafür, dass sie sich querstellen. Am 6. April gibt es eine Fahrradsternfahrt zu einem Treffpunkt um 15 Uhr an der Südseite des Sees, wo das Restloch per Rohr mit Wasser gefüllt wird.
»Grundsätzlich ist Eisenhydroxid erst einmal nicht giftig«, beschwichtigt LMBV-Sprecher Steinhuber. »Es kommt immer auf die Menge und auf die Dosierung an.« Eisen sei das vierthäufigste Mineral in der Lausitz und sei in geringer Konzentration häufig im Trinkwasser enthalten. Erst ab circa drei Milligramm je Liter werde Eisenhydroxid sichtbar. In Kombination mit organischen Bestandteilen könnten unter Umständen bestimmte Arten von Flora und Fauna geschädigt werden, räumt Steinhuber ein. Der ausgebaggerte Eisenhydroxidschlamm wäre aber »unschädlich«, da er keine chemischen Verbindungen mehr eingehe. Der Schlamm würde sich gefahrlos am Seeboden absetzen.

Zehn Meter Wasser über dem Schlamm werden als ausreichend eingeschätzt. Der Altdöberner See ist 70 Meter tief. An der Oberfläche wäre überhaupt nichts von dem Rostschlamm zu bemerken, versichert Steinhuber. Die Einspülung von EHS aus Grubenwasserreinigungsanlagen sei eine seit Jahrzehnten bewährte Technik, die unter anderem am Spreetaler und am Seedlitzer See erfolgreich praktiziert werde. Negative Auswirkungen seien nicht bekannt, erläutert Steinhuber.

Wenn man sich dem Thema emotional annähert, würde auf Anhieb jeder Nein sagen, ist die Landtagsabgeordnete Anke Schwarzenberg (LINKE) überzeugt. Aber wenn einem bewusst sei, wie viel Rostschlamm anfällt, müsse man noch einmal genauer hinschauen. Es wäre beispielsweise zu prüfen, ob eine Deponierung des Rostschlamms die Umwelt nicht unter Umständen sogar mehr belastet als eine Einleitung. Schwarzenberg ist vom Fach. Sie arbeitete viele Jahre als Projektleiterin für die Rekultivierung von Tagebauen beim Energiekonzern Vattenfall. Erst vor wenigen Monaten rückte sie ins Parlament nach.

Wegen ihres bisherigen Arbeitgebers schlägt Schwarzenberg von Braunkohlegegnern Misstrauen entgegen. In seinem Urteil bestätigt sah sich der kürzlich aus der Linkspartei ausgetretene Ex-Landtagsabgeordnete Gerd-Rüdiger Hoffmann. Schwarzenberg hatte bei einer Bürgerversammlung im Altdöberner Schützenhaus als einzige der anwesenden Abgeordneten nicht klar gegen die Einspülung gesprochen. Sogar der Braunkohlebefürworter Wolfgang Roick (SPD) hatte das getan, wegen des drohenden Imageschadens für den Tourismus.

Schwarzenberg ließ ihre Haltung ganz bewusst offen, weil sie sich noch keine abschließende Meinung bilden konnte. »Wir haben noch zu wenig Informationen«, erklärt sie. Die LINKE habe beantragt, das Thema auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung des Umweltausschusses am 22. April zu setzen. Die LMBV solle eingeladen werden, um Fragen zu beantworten.

Schwarzenberg wirbt für Transparenz, was ihr hoch angerechnet wird. Theoretisch könnte die notwendige wasserrechtliche Genehmigung ohne öffentliche Beteiligung erteilt werden. »Die LINKE sieht das aber nicht so, dass das nur auf einer Verwaltungsebene entschieden werden sollte«, betont Schwarzenberg.

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