«In meinem eigenen Namen»

  • Von Ingolf Bossenz
  • Lesedauer: ca. 6.0 Min.

Starb die Verzeihung in Auschwitz? Dürfen die Überlebenden der faschistischen Todeslager den Tätern vergeben? Die Jüdin Eva Kor erlebte die «unglaubliche Entdeckung» ihrer Macht der Menschlichkeit.

Das Menschsein«, schrieb der französische Schriftsteller und Philosoph Georges Bataille (1897-1962), »ist mit einem schwerwiegenden, abstoßenden Element verbunden, das man überwinden muss. Aber nie war es eine schwerere Last und erfüllte es mit größerer Abscheu wie seit Auschwitz.«

Auschwitz. Ort, der zur Metapher wurde. Wie Canossa. Die norditalienische Burg entstand im 10. Jahrhundert. Das in der Geschichte der Menschheit singuläre Todeslager wurde tausend Jahre später errichtet, vom »Tausendjährigen Reich«. »Diejenigen«, so Bataille, »die für Auschwitz verantwortlich waren, hatten, wie jeder von uns, eine menschliche Nase, einen menschlichen Mund, eine menschliche Stimme, eine menschliche Vernunft, sie konnten sich vereinigen und Kinder haben: Auschwitz ist, genau wie die Pyramiden und die Akropolis, eine Tatsache, ein Ausdruck des Menschen.« Der Name Canossa steht - neben Unterwerfung und Buße - für Vergebung. Mithin für e...


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