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Versuchte Einschüchterung in Tröglitz

Nach einem Brand im künftigen Flüchtlingsheim sollen Asylbewerber nun privat untergebracht werden

Das Asylheim brannte, und der Landrat erhielt Morddrohungen - im sachsen-anhaltischen Tröglitz versuchen Rechte mit allen Mitteln, die Aufnahme von Flüchtlingen zu verhindern.

Die Situation in Tröglitz spitzt sich zu. Nachdem in der Nacht zum Samstag in dem künftigen Flüchtlingsheim ein Feuer ausbrach, wird nun der Landrat des Burgenlandkreises, Götz Ulrich (CDU), massiv bedroht, weil er immer noch Flüchtlinge in dem 2700-Einwohner-Ort unterbringen will. »Das nimmt unangenehme Folgen an«, sagte Ulrich dem Fernsehsender n-tv. »Das geht sogar so weit, dass die Methoden der Französischen Revolution angedroht werden.« Unbekannte drohten dem Landrat demnach mit Enthauptung. Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) erklärte daraufhin: »Das nehmen wir schon ernst« und ordnete Polizeischutz für Ulrich an.

Der Brand in dem künftigen Flüchtlingsheim zerstörte den Dachstuhl des Wohnhauses. Die Ermittler gehen von einem vorsätzlich gelegten Feuer aus. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen schwerer Brandstiftung, der Staatsschutz wurde eingeschaltet. Ob letztlich Fremdenhass das Motiv war, sei noch unklar, hieß es. Seit Wochen protestieren Rechtsextreme immer wieder gegen das Asylbewerberheim.

Der Anschlag sorgte bundesweit für großes Entsetzen. Mehrere hundert Menschen versammelten sich am Samstagnachmittag spontan im Ort, um für ein weltoffenes Tröglitz zu demonstrieren. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) nahm daran ebenso teil wie Markus Nierth (parteilos), der ehemalige Bürgermeister von Tröglitz. Nachdem Neonazis ihn massiv wegen des geplanten Flüchtlingsheims bedroht hatten, trat er Anfang März zurück. Auch gegen seine Familie gab es jetzt erneut Drohungen per E-Mail, so dass ein Polizeischutz angeordnet wurde.

Bundespolitiker fordern nach dem Anschlag mehr Engagement gegen Rechtsextremismus. »Wir dürfen beim Kampf gegen Rechtsradikalismus nicht nachlassen«, sagte Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD); Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) erklärte: »Asylbewerberheime in Brand zu setzen, um die Aufnahme von Menschen zu verhindern, ist ein Anschlag auf unseren Rechtsstaat.« Mittlerweile werden in ganz Sachsen-Anhalt Asylbewerberunterkünfte besonders gesichert.

Trotz der bedrohlichen Lage sollen in Tröglitz so bald wie möglich die ersten Flüchtlinge aufgenommen werden. Es sei geplant, zehn bis zwölf Flüchtlinge in privaten Wohnungen unterzubringen, sagte Stahlknecht am Montag. Das angezündete Haus werde nach einer Sanierung wie geplant als Flüchtlingsheim genutzt und 40 Menschen beherbergen. Dazu habe es bereits Gespräche mit dem Eigentümer gegeben.

Am Dienstag will sich Stahlknecht mit Landrat Ulrich treffen, um die Unterbringung der Flüchtlinge in den Wohnungen abzustimmen. Damit solle deutlich gemacht werden, »dass die Menschen vor Ort sich durch so ein Geschehen nicht abschrecken lassen«, sagte Stahlknecht.

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