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Die bittere Seite der Erdbeere

US-Staat Kalifornien reguliert den Einsatz des chemischen Kampfstoffes Chlorpikrin in der Landwirtschaft

Erdbeeren aus Kalifornien sind schmackhaft, aber Pestizide in den Früchten stellen nicht nur für das Grundwasser ein wachsendes Problem dar. Mit einer neuen Verordnung soll sich das ändern.

Kalifornien ist die größte Erdbeerplantage der Welt. In den USA hat sich der Konsum der roten Frucht in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt, Abnehmer finden sich auch in Hongkong, Japan und Kanada.

Da Kaliforniens Klima optimal für den Erdbeeranbau ist, sind die Erträge hoch und die Umsätze gigantisch: 2,6 Milliarden US-Dollar werden pro Jahr damit erwirtschaftet. Da können andere Regionen wie Florida längst nicht mehr mithalten. Doch der Boom mit den genetisch veränderten Erdbeeren hat auch seine Schattenseiten, denn die Bauern schützen die empfindlichen Pflanzen mit enormem Pestizideinsatz vor Schädlingen. Im Jahr 2012 wurden in Kalifornien neun Millionen Pfund Chlorpikrin an Farmer verkauft.

Das unter Landwirten in den USA besonders beliebte Pestizid wird vor der Aussaat von umsatzstarken Erntepflanzen wie Erdbeeren, Tabak, Chilischoten oder Schnittblumen als Gas in den Boden injiziert, um Pilze und Insekten abzutöten. Das Präparat war ursprünglich als Lungenkampfstoff entwickelt worden, doch als die USA alte Bestände nach Hawaii schaffen ließ, setzten Bauern es dort bei der Schädlingsbekämpfung im Ananasanbau ein - erfolgreich.

Dabei sind die Statistiken der Gesundheitsbehörden eindeutig. Zwischen den Jahren 2002 und 2011 wurden dort 787 Fälle von Lungenirritationen, Husten, tränenden Augen und Kopfschmerzen nach dem Kontakt mit Chlorpikrin registriert. Ein Verbot gibt es bisher aber nicht. Das Pestizid steht zwar unter Verdacht, Krebs auszulösen, doch bewiesen ist dies noch nicht. Ursache und Wirkung minutiös nachzuweisen, ist eine echte Herausforderung für die Gesundheitsbehörden.

Allerdings fordern die Anwohner mehr Informationen. Die Felder befinden sich nämlich in direkter Nähe zum dicht besiedelten Küstenstreifen von Monterey, Santa Barbara, Santa Cruz und Ventura. Der Abstand der Feldern zu Wohnhäusern und Schulen beträgt teilweise nur einige hundert Meter. Seit Medien wie die »Los Angeles Times« und das investigative Magazin »Reveal« das Thema aufgegriffen haben, versuchen Lobbyorganisationen wie die Erdbeerkommission von Kalifornien unter Verweis auf die ökonomische Bedeutung des Sektors für die Region gegensteuern. Der Verband der Erdbeerbauern weist zudem darauf hin, dass Wissenschaftler die Möglichkeiten erforschen, wie der der Einsatz von Pestiziden reduziert werden könne.

Doch den Behörden reicht solche Beteuerungen nicht. So fordert die Abteilung des kalifornischen Umweltamtes zur Regulierung des Pestizideinsatzes »ganzheitliche« Konzepte und den vermehrten »Einsatz von Alternativen zu Pestiziden«, wie die leitende Wissenschaftlerin Marylou Verder-Carlos erklärt. Für die Arbeiter auf den Feldern, meist Migranten aus Mexiko und Mittelamerika, könnte das eine überaus positive Nachricht sein. Sie kommen schließlich am stärksten mit Chlorpikrin in Berührung, aber bisher wurden sie kaum gefragt, was sie von den Gaseinsätzen halten.

Mit einiger Zeitverzögerung sind nun die Behörden aktiv geworden und haben den Einsatz der Pestizids reguliert. Pufferzonen sollen helfen, Erntearbeiter, aber auch Anwohner zu schützen. Außerdem sind die Bauern nun gehalten, den Einsatz von Pestiziden zwei Tage im Voraus zu melden.

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