Schwitzen statt sitzen

Das Pilotprogramm »Day by Day« wurde in der Justizvollzugsanstalt Plötzensee vorgestellt

  • Von Christina Palitzsch
  • Lesedauer: ca. 2.5 Min.

350 Menschen sitzen im Berliner Vollzug, weil sie Geldstrafen nicht gezahlt haben. Seit Anfang April können sie mit einem Tag Arbeit in der Anstalt einen Tag Hafterlass bekommen.

Bei Francesco Neudecker ging es schnell. Was genau passierte, kann er nicht mehr sagen. 2011 wird ihm eine Dokumentenfälschung angelastet und er zu einer Geldstrafe verurteilt. Durch gemeinnützige Arbeit hätte er sie abwenden können, das sogenannte »Schwitzen statt sitzen«, aber er kümmerte sich nicht darum. Einige solcher Geschichten hört man im roten, hoch umzäunten Backsteinbau der JVA Plötzensee. Laut Gefängnisleitung landen dort jährlich insgesamt etwa 2700 Männer, darunter einige mit Ersatzfreiheitsstrafen. Sie haben kleinere Delikte begangen und wurden zu Tagesätzen verurteilt. Dreiviertel aller Verurteilungen enden in Geldstrafen, etwa 600 000 jährlich in Deutschland. Wer nicht zahlt, muss sitzen.

In Plötzensee stellte Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) am Mittwoch das Projekt »Day by Day« vor. Es soll die Haftzeit von Menschen wie Neudecker verkürzen und ihnen beim Sprung auf den Arbeitsmarkt helfen. Seit zwei Wochen...


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