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Wassertourismus bleibt auf dem Trockenen sitzen

Industrie- und Handelskammern Berlin-Brandenburg fordern vom Bund Investitionen in Flüsse, Brücken, Schleusen

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 2 Min.

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Der Wassertourismus ist mit 200 Millionen Euro Jahresumsatz ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in Berlin-Brandenburg. Doch der Bund tut nicht genug für Erhalt und Ausbau der Infrastruktur, heißt es.

Berlin-Brandenburg ist Deutschlands größtes zusammenhängendes Wassersportrevier - ein Netz von Flüssen, Kanälen und Seen, das sich vom Lausitzer Seenland über die Havel bis ins Stettiner Haff und die Oder hinauf bis nach Polen erstreckt. Der Wassertourismus in der Region, darauf verwiesen am Donnerstag die Industrie- und Handelskammern Berlin-Brandenburg, ist ein bedeutender, stetig wachsender Wirtschaftsfaktor. Doch für den Bund zähle bisher nur der Güterverkehr.

Das Potenzial des Wassertourismus in der Hauptstadtregion belegt die aus diesem Anlass in Berlin vorgestellte Studie »Wirtschaftliche Effekte im Wassertourismus« der Unternehmensberatung »Project M«. Danach erwirtschaften die 2124 in diesem Bereich direkt Beschäftigten einen Bruttojahresumsatz von rund 200 Millionen Euro. Immer mehr Urlauber kämen mit dem Boote und finden hier 305 kommerzielle Bootshäfen und Vereine. Es gibt 65 Reedereien mit 186 Schiffen, 128 Kanuverleiher mit 3500 Booten und 83 Charterunternehmen mit 1256 Hausbooten, Motor- und Segelyachten. 2014 kamen 120 000 Charterbootsurlauber und 350 000 Kanumieter. Fahrgastschiffe beförderten drei Millionen Passagiere. Und die Branche wächst. So dürfte die am Wochenende beginnende Bundesgartenschau im Havelland viele Bootstouristen anziehen, sagte Mario Tobias, Hauptgeschäftsführer der IHK Potsdam.

Große Sorge bereitet den IHK aber der oft desolate Zustand der Infrastruktur. »Viele Wasserstraßen in der Region Berlin-Brandenburg sind in keinem guten Zustand. Brücken, Schleusen und Uferwände müssen instand gehalten werden«, heißt es in einer Mitteilung. An den dringend notwendigen Investitionen mangele es seit dem Erlass des Bundesverkehrsministeriums zum »Investitionsstopp an Wasserstraßen mit wenig Güterverkehr«. »Wir appellieren daher an den Deutschen Bundestag, im Zuge der Verabschiedung des Wassertourismuskonzeptes, der derzeit vorgenommenen Kategorisierung der Bundeswasserstraßen eine klare Absagte zu erteilen, in der bisher nur der Güterschiffsverkehr berücksichtigt wird«, betonte Tobias.

»Die damit verbundenen Einsparungen bei Personal und Instandhaltung führen gerade in den ostdeutschen Bundesländern zu erheblichen Beeinträchtigungen insbesondere für die wassertouristische, aber auch für die gesamtwirtschaftliche und demografische Entwicklung«, beklagen die Präsidenten der IHK Berlin, Potsdam, Cottbus und Ostbrandenburg in einer gemeinsamen Resolution. Zugleich warnen sie vor den negativen Folgen einer »schleichenden ›Trockenlegung‹ der ostdeutschen Wasserstraßen«. Der Wassertourismus sei im ländlichen und strukturschwachen Raum zu einer wichtigen Einnahmequelle geworden, von der auch Campingunternehmen, Hotellerie, Gastronomie, Kultureinrichtungen und Einzelhandel profitierten.

Martin Linsen, Referatsleiter Wassertourismus im Potsdamer Wirtschaftsministerium, verwies darauf, dass allein die in der Studie erfassten Charterbootsurlauber im Durchschnitt 7,3 Tage im Land blieben. Allein hier könne man von rund 600 000 Übernachtungen ausgehen, die bisher gar nicht in der Übernachtungsstatistik der Tourismuswirtschaft auftauchten. Nicht bewertet würden auch die insgesamt 100 000 von Privatpersonen gehaltenen Boote.

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