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L’Hermione wieder hart am Wind

Originalgetreue Nachbildung des Schiffes startet von Rochefort in Richtung Amerika

  • Von Ralf Klingsieck, Paris
  • Lesedauer: 3 Min.
Auf historischen Wegen segelt eine französische Fregatte nach Amerika. Sie reist auf den Spuren des Schiffes, das einst Unterstützung für George Washingtons Freiheitskampf brachte.

Am Sonnabend sticht von der Mündung der Charante bei Rochefort aus ein Segelschiff in See und nimmt Kurs auf die USA. Der 65 Meter lange und bis zur Mastspitze 47 Meter hohe Dreimaster mit seinen 17 Segeln ist der originalgetreue Nachbau der Fregatte L’Hermione, mit der der junge Marquis de La Fayette 1780 nach Amerika segelte, um den Unabhängigkeitskampf der Amerikaner gegen die britische Kolonialmacht zu unterstützen.

Seit 1777 hatte der seinerzeit 20-jährige Hauptmann La Fayette an der Spitze einer von ihm angeworbenen und bezahlten Truppe an den Kämpfen der aufständischen Amerikaner unter George Washington gegen die britische Kolonialmacht teilgenommen und war als Anerkennung dafür zum amerikanischen General befördert worden. 1779 kam er zurück nach Frankreich, um König Ludwig XVI. zu überzeugen, die Amerikaner mit Geld und Waffen zu unterstützen. Für deren Transport überließ der König dem engagierten Adligen die gerade fertiggestellte Fregatte L’Hermione, die 1779 zusammen mit drei baugleichen Schiffen auf der Marinewerft von Rochefort gebaut worden war.

Mehr als 200 Jahre später wurde das Schiff auf Initiative eines Vereins von Hobbyhistorikern nachgebaut. Die Vorbereitungen dauerten fast 20 Jahre. Es mussten nicht nur Geldgeber, Handwerksbetriebe und geeignete Bäume als Baumaterial gefunden werden. Auch Baupläne, die den Originalen nahe kamen, wurden gesucht. Die Originale wurden seinerzeit aus Angst vor britischen Spionen verbrannt. Die besten Pläne fand man schließlich in britischen Archiven.

Der Bau begann im Juli 1997 fast an der Stelle, wo sich einst die königliche Marinewerft von Rochefort befand. Während die Originalfregatte in nur sechs Monaten entstand - auch dank kostenloser Arbeitskräfte aus dem benachbarten Gefängnis - brauchte man für den Nachbau über 15 Jahre. Man konnte immer erst weiterbauen, wenn genug Geld da war. Die Baukosten hatte man auf 80 Millionen Francs (heute zwölf Millionen Euro) veranschlagt, es wurden 26 Millionen Euro. Man konnte keine privaten Unternehmen als Sponsoren gewinnen. Denen dauerte das Projekt zu lange. Letztlich wurden 60 Prozent der Kosten durch Besucher der Baustelle aufgebracht. Bis das Schiff im Sommer 2014 zu Wasser gelassen wurde, kamen 4,2 Millionen Menschen.

40 Prozent der Baukosten verteilten sich auf Rochefort, Departement, Region, den Staat und die EU. »Das Schiff entstand auf die gleiche Weise und mit den gleichen Werkzeugen wie im 18. Jahrhundert«, betont Benedic Donnelly, Präsident des Hermione-Vereins. »Das war nur möglich, weil wir Handwerker gefunden haben, die Freude an dieser Herausforderung hatten.« Die kamen aus Frankreich, Skandinavien und Deutschland.

Insgesamt 5000 Bäume wurden verarbeitet. Von Anfang bis Ende mit nie weniger als 15 Handwerkern war die Schreinerei Asseline dabei, die 140 Mitarbeiter zählt und auf die Restaurierung von historischem Dachgebälk spezialisiert ist. »Wir hatten früher nie etwas mit dem Wasser zu tun, aber bei diesem Bau haben wir viel gelernt«, berichtet Firmeninhaber François Asseline. Diese Fachkenntnisse will man nutzen und künftig nach historischen Vorbildern Segeljachten bauen.

Alle 400 000 Teile der L’Hermione, von Kiel und Planken über 2200 m² Segel und 25 km Seile bis zu den 26 Kanonen wurden nach alten Vorlagen angefertigt. Wenn das Schiff mit 78 Besatzungsmitgliedern - 18 erfahrene Seeleute unter Kapitän Yann Cariou von der Marine, doch die meisten begeisterte Hobbysegler - Kurs auf Amerika nimmt, sind nur zwei Motoren nicht originalgetreu. Die mussten im Interesse der Sicherheit eingebaut werden. Für die drei Millionen Euro, die die Fahrt nach Amerika, der Aufenthalt in zehn Häfen und die für August geplante Rückfahrt nach Frankreich kostet, konnten europäische und amerikanische Firmen als Sponsoren gewonnen werden. Danach bekommt die Fregatte einen festen Platz am Kai von Rochefort, wo das Schiff zu besichtigen sein wird.

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