BP macht einfach weiter so

Die Ölförderung in der Tiefsee wurde nicht zurückgefahren - im Gegenteil

Die niedrigen Ölpreise machen auch BP zu schaffen. Anders als die Konkurrenz hat man für Übernahmen wenig Spielraum.

Die »Deepwater-Horizon«-Katastrophe hat den britischen Ölmulti BP viele Milliarden Dollar gekostet, und ein Ende der Straf- und Entschädigungszahlungen ist nicht abzusehen. Nachhaltig geschadet hat dies dem Konzern aber nicht: Seit dem Jahr 2011 summierten sich die Gewinne nach Steuern auf über 63 Milliarden US-Dollar. Und seit 2014 darf sich BP sogar wieder an Ausschreibungen im Golf von Mexiko beteiligen.

Zuletzt ging es allerdings steil bergab: So verzeichnete BP im vergangenen Jahr einen Gewinneinbruch um 60 Prozent auf noch 3,8 Milliarden Dollar. Wegen des stark gesunkenen Ölpreises verzeichnete man einerseits sinkende Einnahmen, andererseits musste man milliardenschwere Abschreibungen vornehmen, da die noch nicht geförderten Ölvorräte an Wert verlieren. Darüber hinaus will man viele der derzeit 84 000 Stellen im Konzern abbauen und streicht Investitionsbudget für 2015 um ein Fünftel zusammen. Das liegt daran, dass die einfach zu fördernden Rohölvorkommen weltweit knapper werden. Die Konzerne, vor allem wenn sie wie BP bisher kaum am Fracking-Boom beteiligt sind, müssen in die Tiefsee vordringen oder in Regionen mit ungünstigen klimatischen Bedingungen wie die Arktis. Die technisch schwierige Förderung dort ist aber kostspielig und lohnt sich nur bei entsprechend hohem Rohölpreis.

Alle Konzerne möchten deshalb die hoch riskante Förderung in ökologisch sensiblen Gebieten ausweiten. Aus der Katastrophe im Golf von Mexiko hat die Branche wenig bis nichts gelernt. Das gilt auch für BP - allerdings sind die finanziellen Belastungen hinderlich: Da der Schlussstrich in Sachen »Deepwater Horizon« noch nicht gezogen ist, hat der britische Multi weniger Geld in der Kriegskasse als die Konkurrenz. Shell etwa versucht, sich gegen die Niedrigpreiskrise mit der Mega-Übernahme des britischen Gaskonzerns BG zu stemmen. Auch Exxon-Mobil, weltgrößter nichtstaatlicher Ölkonzern, sucht nach Möglichkeiten von Zukäufen. Schon die letzte Branchenkrise Ende der 90er Jahre setzte ein gewaltiges Fusionskarussell in Gang - BP übernahm damals die US-Konkurrenten Amoco und Arco. Diesmal wird es wohl anders kommen: So sagte BP-Verwaltungsratschef Carl-Henri Svanberg vor wenigen Tagen auf der Hauptversammlung in London, eine Großübernahme oder eine Fusion seien nichts, was nun zwingend kommen müsse.

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