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Erlebnisbox Tierkäfig

In Reichenow gibt es den Plan, ein Museum über die Massentierhaltung zu eröffnen

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Wie kam es dazu, in Reichenow ein Museum der Massentierhaltung zu errichten?

Diese Idee kam auf, als der Investor, der einen ehemaligen Rinderstall zur Erweiterung der Schweinemast nutzen möchte, bei einer Veranstaltung sagte, die Bürgerinitiative könne den Stall ja erwerben und selbst eine Schweinemast betreiben. Das wollen wir nicht, denn in diesen Räumlichkeiten ist das nicht zu tierwürdigen Bedingungen möglich. So kam aber die Idee auf, diesen Stall der Massentierhaltung zu entziehen und ein Museum einzurichten, das darüber aufklären soll, wie industrielle Tierhaltung funktioniert, welche Probleme sie mit sich bringt und welche Alternativen es gibt.

Wozu soll das Museum dienen. Gibt es aus Ihrer Sicht einen Informationsmangel, was die Massentierhaltung betrifft?

Ich denke ja. In letzter Zeit ist das Thema zwar intensiv von den Medien bearbeitet worden. Trotzdem sind das immer nur Schlaglichter. Ein Museum kann einen Beitrag zur Aufklärung leisten. Für einen Normalsterblichen ist es ja fast unmöglich, in solche Ställe mal reinzugehen. Wenn wir da was nachbauen, können sich das Schulklassen, Studenten und andere interessierte Bürger anschauen und eigene Schlüsse ziehen. In dem Zusammenhang könnten wir auch diskutieren, welche Auswirkungen das auf unsere Umwelt und für die regionale und globale Wirtschaft hat: Wie viel Futter verbraucht ein Schwein? Wie viele Menschen könnten davon satt werden? Wäre es nicht sinnvoller, das Futter für den Menschen anzubauen, statt Regenwälder für unsere Schweine abzuholzen?

Sie planen sogenannte »Erlebnisboxen«. Da geht es darum, »einen Eindruck von den realen Bedingungen in Aufzucht- und Mastanlagen zu bekommen«. Das heißt, da soll sich jemand reinstellen und sich dann wie ein Tier in Massenhaltung fühlen können?

Vielleicht nicht unbedingt wie ein Tier, sondern wie ein Mensch zu Besuch in einer Massentieranlage. Ich stelle mir das so vor: Eine Box, sagen wir vier mal vier Meter, vielleicht oben geschlossen. Man tritt ein, sieht die Einrichtung der Schweineboxen oder eines Sauenkäfigs und an die Wände projiziert den Eindruck der Halle, dazu ein paar nachmodellierte Tiere mit Informationen, wie lange sie da jeweils stehen. So kann gesehen werden, dass diese Schweine da wochen- und monatelang ohne viel Bewegung stehen, ohne die Möglichkeit, mit den Artgenossen, mit den Ferkeln vernünftig zu interagieren. Für jede Masttierart könnte eine Box da sein. Ton- und Videoaufnahmen könnten den Eindruck vervollkommnen.

Wem gehört der Rinderstall, der dafür vorgesehen wäre?

Der gehört der Lindhorst-Holding. Herr Lindhorst möchte die Schweinemast von dem befreundeten Schweinemäster, der seinen Betrieb nebenan hat, betreiben lassen - wobei auch er industrielle Tierhaltung nicht gut findet, wie er uns versichert hat. Er hat gesagt, wir könnten den Stall auch kaufen - aber bei der überzogenen Preisvorstellung bezweifeln wir, dass er eine ernsthafte Verkaufsabsicht hat. Er stellt sich 170 000 Euro vor - vergleichbare Objekte gibt es hier in der Gegend für vielleicht 20 000 Euro.

Gibt es über die Nachbardörfer hinaus politische Akteure, die sich für die Museumsidee begeistern können?

Wir sind dabei, Werbung zu machen und haben schon Menschen und Organisationen gefunden, die uns bei der Umsetzung unterstützen würden. Bürgerinitiativen wie »Wittstock contra Industriehuhn«, »Kontra Industrieschwein Haßleben« und »Schweinewind« sind dabei. Die Deutsche Umwelthilfe hat Unterstützung bei der praktischen Umsetzung zugesagt, zum Beispiel bei einem Crowdfunding. Sie hat eine eigene Crowdfunding-Plattform. Wir sind auch im Gespräch mit der Albert-Schweitzer-Stiftung.

Was für ein Echo gibt es seitens der Politik auf Ihre Bürgerinitiative und auf die Museumsidee?

Von der Politik hört man nicht viel. Wir hatten letztes Jahr, zu Wahlkampfzeiten, eine Podiumsdiskussion, wo außer der SPD alle Parteien vertreten waren. Das war sehr interessant, weil wir da sehen konnten, wie die Positionen sind. Von den Grünen bekommen wir natürlich Unterstützung, und auch die LINKE sagt, diese Schweinemast ist ein Thema, das man angehen muss. Allerdings werden in Brandenburg immer noch Großtieranlagen gefördert, während Freilandhaltung es schwer hat, überhaupt Weideland zu finden. Es gibt von der Politik keine großen unterstützenden Stellungnahmen. Noch hält man sich da sehr bedeckt. Unser Gemeinderat immerhin hat der Erweiterung der Schweinemast widersprochen.

www.unsstinkts.eu

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