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Engagement gegen böse Gerüchte

Neschwitzer organisieren Angebote für Asylbewerber

  • Von Harald Lachmann
  • Lesedauer: 3 Min.

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Der Dienstag nach Ostern war ein ganz besonderer für die kleine Alexia: Sie ging das erste Mal in den Kindergarten. Natürlich war sie aufgeregt, fand aber schnell Spielgefährten. Das mag auf den ersten Blick nicht ungewöhnlich sein, bei näherem Hinsehen ist es das aber schon. Denn die knapp Dreijährige stammt aus Albanien und lebt erst seit November im ostsächsischen Neschwitz. Ein Bus setzte sie hier eines Tages samt ihren Eltern sowie 22 weiteren Flüchtlingen vor einem ausrangierten Motel ab.

Keiner in dem 1100-Seelen-Dorf zwischen Bautzen und Hoyerswerda wusste vorher davon. »Plötzlich waren sie da und tauchten nun unversehens mal hier, mal da im Ortsbild auf«, erinnert sich die Neschwitzerin Katharina Elle. Und sie passten so ganz in das landläufige Asylbewerberklischee: Fast durchweg junge Männer aus Syriern, Pakistan und Albanien, meist zwischen 18 und 20, dunkelhäutig, des Deutschen nicht mächtig. »Fremde aus einer anderen Welt eben...«, so die Kulturpädagogin.

Und so kam es, wie es kommen musste: Gerüchte waberten durch das Dorf. Mit Taschenlampen seien »die Asylanten« nachts durch die Gassen gezogen, hätten geklaut, mithin Angst und Schrecken verbreitet. Selbst die Lokalpresse orakelte mit. Doch als gar einige zu wissen meinten, die Flüchtlinge hätten den Neschwitzer Zahnarzt überfallen und gewürgt, gingen andere, die das nicht glauben wollten, der Sache auf den Grund. Und siehe da: »Nichts davon war wahr!«, versichert Katharina Elle.

Von nun an taten sich einige Neschwitzer zusammen, um diesem Gerede das Wasser abzugraben. Initiator war Kerstin Brauer, eine Gymnasiallehrerin aus Bautzen, oder genauer: Marika, ihre Tochter. Die 18-Jährige kam eines Nachmittags, nachdem sie zu ihrer Oma geradelt war, Stunden zu spät nach Hause. Der Grund: Sie hatte sich auf dem Heimweg, der an der Unterkunft vorbeiführte, mit einigen der Flüchtlinge verplaudert. Auf Englisch sei das ganz gut gegangen, berichtete sie. Ja, und im Übrigen seien das »alles ganz sympathische Burschen mit teils schweren Schicksalen«.

So gründete sich kurz vor Weihnachten in Neschwitz ein Freundeskreis aus engagierten Familien, der sich seither um die Asylbewerber kümmert. Als Vorbild diente das 2011 entstandene Bündnis »Hoyerswerda mit Herz«, berichten die Frauen. Sie kauften zunächst für jeden Heimbewohner Hefte und Stifte: »Wir wollten sie zum Deutschlernen ermutigen.« Die ersten Stunden gab Deutschlehrerin Brauer selbst. Inzwischen, so freut sie sich, bestünden einige der jungen Männer bereits darauf, »nur noch auf Deutsch angesprochen zu werden«.

Als Treff dient häufig die evangelische Kirche im Dorf, denn auch Pfarrerin Susanne Aechtner gehört zum Freundeskreis. Überdies knüpfte man Kontakt zu Sozialarbeitern, die sich auskennen mit dem, was für Flüchtlinge am meisten Not tut. Aber das weiß inzwischen auch Birgit Schmaler, die Krankenschwester der örtlichen Arztpraxis. Denn überraschend viele, so musste sie erschrocken feststellen, hätten schwere Krankheiten - teils auch als Folge ihrer Odyssee bis nach Deutschland.

Nun sei man auch in Kontakt zu Kultur- und vor allem Sportvereinen der Region, erzählt Katharina Elle. Denn die jungen Männer würden gern irgendwo Fußball oder Tischtennis spielen. Nur einen Jugendklub oder Kulturtreff gebe es leider nicht in Neschwitz - zumindest aber einen Kindergarten. Dass die kleine Alexia diesen nunmehr besuchen kann, betrachte man im Freundeskreis als den vielleicht größten Erfolg, sagt Elle.

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