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Erst ausgebeutet und dann fallen gelassen

Ovidiu Mandrila ist einer der rumänischen »Mall-of-Berlin«-Arbeiter, der immer noch auf seinen Lohn wartet

Die Situation von Ovidiu Mandrila ist kein Einzelfall, sondern ein symptomatisches Beispiel für die Ausbeutung der osteuropäischer Arbeiter in Deutschland.

Für Samstag ist erneut eine Demonstration geplant. Ab 12 Uhr protestieren die rumänischen Arbeiter am Leipziger Platz. Die Männer waren am Bau der »Mall of Berlin« beteiligt, aber haben noch kein Gehalt ausgezahlt bekommen. »Sechs Monate später noch immer kein Lohn! Wir rufen deshalb alle dazu auf, die Forderung der Arbeiter solidarisch zu unterstützen und den Protest gegen Ausbeutung migrantischer Arbeiter gemeinsam und entschieden auf die Straße zu tragen«, fordert die Basisgewerkschaft »Freie ArbeiterInnen Union Berlin« (FAU), die die Rumänen seit längerem unterstützt.

»Ich bin 33 Jahre alt, komme aus Rumänien, aus dem Kreis Bacau. Ich stamme aus einer armen Familie, bin noch unverheiratet, aber möchte bald Frau und Kinder haben«, sagt Ovidiu Mandrila. Er arbeitet seit vier Jahren in Deutschland. Bis jetzt gab es keine Probleme. Berlin sei schön, die Menschen nett. »Schade, dass wir für Schlagzeilen sorgen mussten«, sagt Mandrila. Wer die dubiosen Vermittler sind, die ihn angeworben und einen guten Arbeitsplatz auf der Baustelle der »Mall of Berlin« versprochen haben, weiß er nicht. »Ein Bekannter von einem Bekannten hat mir geraten, hier zu arbeiten.«

Mandrila hat Abitur, über Deutschkenntnisse verfügt er nicht. »In Rumänien verdiente ich um die 400 Euro auf einer Baustelle, hier gibt es das Fünffache«, sagt er. Hart arbeiten muss man auch zu Hause, sagt er. »Aber mehr Geld kriege ich dann dort nicht. Hier haben sie mir fünf bis sechs Euro Stundenlohn versprochen. Auch Unterkunft und Verpflegung. Wir arbeiteten zehn oder mehr Stunden am Tag, sechs Tage die Woche.« Über 5000 Euro stehen ihm noch aus, sagt Mandrila. Einen Arbeitsvertrag hat er nicht. »Ich habe mehrmals die Papiere verlangt, aber sie wollten mir nichts geben, auch nichts zeigen«, sagt der Arbeiter. Weil es um das blanke Überleben und die Familie zu Hause ging, die jeden Monat Geld erwartet, schuftete Mandrila weiter. »Nicht arbeiten ist keine Lösung für mich.« Er schlief auf der Baustelle. Das Ganze wurde zu einem Albtraum. Betteln, klauen, dem Sozialsystem auf der Tasche liegen, diese ganzen Klischees, die über seine Landesleute verbreitet werden, findet Mandrila falsch. Er wollte arbeiten und verlangt nun dafür seinen Lohn.

Die FAU gab ihm Hoffnung und Kraft. Den ganzen Medienhype findet Mandrila dagegen nicht so toll. Lieber würde er wieder auf einer Baustelle arbeiten - und damit seiner Familie helfen.

Der Prozess dürfte sich noch ein paar Monate verzögern. Mandrila hatte gehofft, dass es schneller gehen würde. »Was bedeuten 33 000 Euro für die ›Mall of Berlin‹?«, fragt er sich. Er glaubt, dass das Unternehmen so viel Geld in weniger als einer Stunde verdient. »Vor Gericht leugnen die Subunternehmer, dass ich auf der Baustelle gearbeitet habe«, sagt Mandrila. Glücklicherweise hat er sich auf der Baustelle mit seinem Handy gefilmt, überdies habe er Zeugen und weitere Beweise. Nach Rumänien fahren will er nicht. »Was soll ich dort machen? Es gibt keine Zukunft. Hier gibt es Arbeit und auch gute Löhne«, sagt er. Für die Zukunft will Mandrila Deutsch lernen. Verstehen kann er es schon ganz gut. Mit Lohnversprechen will er sich nicht noch einmal abspeisen lassen.

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