Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Es war Völkermord

Gedenktag für die armenischen Opfer der Massaker in der Türkei vor 100 Jahren

Berlin. Eigentlich haben es die Deutschen damals ja sogar als erste im Ausland gewusst: Es waren die aufgeregten Depeschen des deutschen Botschafters bei der Hohen Pforte, Hans von Wangenheim, die den deutschen Kaiser Wilhelm II. wissen ließen, dass seine Weltkriegs-Bundesgenossen aus Konstantinopel gerade Abscheuliches verübten. Das lasse sich nicht mehr durch militärische Rücksichten rechtfertigen, teilte der wohlinformierte deutsche Vertreter vor Ort mit. Es handele sich hier darum, »die Armenier zu vernichten«. Man hatte das in Berlin durchaus verstanden. Von Wangenheim hatte berichtet: Es werde »übrigens unumwunden zugegeben, dass das Endziel ihres Vorgehens gegen die Armenier die gänzliche Ausrottung derselben in der Türkei ist«.

Die deutsche Antwort war ein Ausbund an Zynismus. Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg beschied alle ob der alarmierenden Eingabe des deutschen Botschafters eventuell Besorgten auf deutsch-kaiserlicher Seite mit den Worten: »Unser einziges Ziel ist, die Türkei bis zum Ende des Krieges an unserer Seite zu halten, gleichgültig, ob darüber Armenier zugrunde gehen oder nicht.«

Nach armenischen Angaben waren es etwa 1,5 Millionen Menschen, die ermordet wurden, verhungerten, an Krankheiten starben. Neutrale Historiker bestätigen dies überwiegend. Die Armenier wurden damals kollektiv der Parteinahme für den Kriegsgegner Russland bezichtigt.

Ankara besteht bis heute darauf, es habe sich lediglich um »Deportationen« mit höchstens 500 000 Toten gehandelt. Und es sei ja schließlich Krieg gewesen - ein Standpunkt, so unsäglich wie unannehmbar. Übrigens: Auch keine Bundesregierung hat je den Versuch einer Entschuldigung für Deutschlands damalige Haltung unternommen. roe

Seiten 2, 4 und 14

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln