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20 Jahre Castor und kein Ende in Sicht

Atommüll soll wohl erst 2020 nach Deutschland zurückkommen

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26 Behälter mit Strahlenmüll warten in ausländischen Wiederaufbereitungsanlagen auf den Transport nach Deutschland. Doch wo sie gelagert werden sollen, ist unklar.

Der Rücktransport von 26 Castorbehältern mit radioaktivem Abfall aus ausländischen Wiederaufarbeitungsanlagen wird offensichtlich auf die lange Bank geschoben. Das legt die am Freitag bekannt gewordenen Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des LINKE-Atomexperten im Bundestag, Hubertus Zdebel, nahe. Umweltstaatssekretärin Rita Schwarze- lühr-Sutter schreibt, dass die fünf Behälter aus dem französischen La Hague und 21 Castoren aus dem britischen Sellafield »bis 2020 zurückzuführen« seien. Bislang hieß es offiziell, dass die Castoren aufgrund bindender Verträge spätestens ab 2017 auf den Weg gebracht sein müssten.

Grund für die neue Zeitrechnung: Es gibt keinen Ort, an dem die Behälter bis zur späteren Endlagerung geparkt werden können. Das Zwischenlager Gorleben, in das seit 1995 bereits 113 Castoren gebracht wurden, steht nicht mehr zur Verfügung. Im Zuge des Neustarts der Endlagersuche hatte der Bundestag eine Novellierung des Atomgesetzes beschlossen, die weitere Fuhren ins Wendland untersagt. Gorleben sollte nicht weiter als späterer Endlagerstandort festgeschrieben werden.

Die rot-grün bzw. grün-rot regierten Bundesländer Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg hatten daraufhin angeboten, jeweils einen Teil der Behälter in Zwischenlagern an den AKW-Standorten aufzunehmen, sofern noch ein weiteres Land mit Atomkraftwerken mitzieht. Niedersachsen, das sich mit Atommüll bereits überreichlich versorgt sieht, sowie Hessen und Bayern lehnten ab. Ende 2014 kassierte das Bundesverwaltungsgericht zudem die Betriebsgenehmigung des als Castor-Parkplatz gehandelten Zwischenlagers Brunsbüttel.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) erklärte die Verhandlungen mit den Ländern kürzlich für gescheitert. Und kündigte an, nun selbst ein Konzept für die Zwischenlagerung der Container zu erstellen. Das dürfte nicht einfach werden, zumal die Atomwirtschaft durch millionenschwere Klagen erreichen will, dass die Behälter doch nach Gorleben gebracht werden. Das befürchten auch örtliche Atomkraftgegner. Es sei nicht auszuschließen, dass bald wieder »Castor-Alarm« ausgelöst werden müsse, erklärte am Freitag die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg.

Am Samstag - genau 20 Jahre nach dem ersten Castortransport nach Gorleben, will die Initiative mit einer Veranstaltung einen Rück- und Ausblick wagen. Der historische Transport hatte am Abend des 24. April 1995 das Atomkraftwerk Philippsburg verlassen und war einen Tag später im Wendland eingetroffen. Rund 7000 Polizisten bahnten den Castoren unter Einsatz von Wasserwerfern und Schlagstöcken den Weg durch die Blockaden tausender Umweltschützer. AKW-Gegner schleuderten Äste und Erdklumpen auf die Beamten. Zahlreiche Menschen wurden verletzt und festgenommen.

Mitte der 1990er steckte die bundesweite Anti-Atom-Bewegung in der Krise. Bürgerinitiativen waren auseinandergefallen, Aktivisten engagierten sich in anderen Konflikten, demonstrieren gegen Naziaufmärsche und Abschiebungen oder hatten sich ins Berufs- und Privatleben zurückgezogen. Die Castortransporte, die seit 1995 fast jährlich nach Gorleben rollten, wurden zum Weckruf für die bundesweite Umweltbewegung: Am 28. Februar 1997 wurde am AKW Neckarwestheim ein weiterer Atommüllzug zusammengestellt. In Lüneburg demonstrierten 20 000 Menschen, in Hitzacker räumte die Polizei besetzte Sporthallen, die als Unterkünfte für die Beamten dienen sollten. Bei der »Stunkparade«, dem grimmigen Umzug der Bäuerlichen Notgemeinschaft, rollten fast 600 mit Fahnen und Transparenten geschmückte Trecker durchs Wendland. Bislang wurden 113 Behälter in 13 Transporten in die 180 Meter lange und 40 Meter breite Zwischenlager-Halle im Gorlebener Wald gebracht - jedes Mal gab es Massenproteste.

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