Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Wo bitte geht es in die linke Zukunft?

Kongress sucht nach Antworten auf die Systemkrise

  • Von Robert D. Meyer
  • Lesedauer: 2 Min.
Die »Linke Woche der Zukunft« sucht seit Freitag in Berlin nach einer Antwort für das Kommende. Am Ende des Kongresses dürfte eine Vielfalt an Perspektiven stehen.

»Der Kapitalismus wackelt, aber er fällt nicht, und jetzt müssen wir sehen, wie wir ihn Schubsen können«, sagt das IG-Metall-Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban. Viele Zuhörer im Münzenbergsaal am Franz-Mehring-Platz in Berlin nicken zustimmend. Nach etwas mehr als einem Tag Zukunftskongress kann als Zwischenfazit nicht weniger als die Feststellung stehen, dass die Linke ihrer Beschreibung als Mosaiklinke mit all den daraus positiv wie negativ folgenden Aspekten gerecht wird.

Solch ein viertägiger Kongress mit über 600 Teilnehmern kann niemals zum Ziel haben, den einen Weg in die Zukunft zu finden. Es geht bei diesen Veranstaltungen primär darum, sich über die verschiedenen Perspektiven und Möglichkeiten auszutauschen, denn die richtigen Antworten auf das Kommende dürften sich vorrangig in einer Pluralität der Zukünfte wiederfinden.

Es gibt Antworten wie die der Philosophin Frigga Haug. Zum Auftakt des Zukunftskongresses im Grünen Salon der Volksbühne sprach die Feministin von ihrer Idee einer Gesellschaft, in der die vier Lebensbereiche Erwerbsarbeit, Reproduktion, Bildung und politische Teilhabe gleichberechtigt nebeneinander existieren und jeder Mensch dadurch die Wirklichkeit erhält, sich verwirklichen zu können.

Da gibt es Linke wie die Ex-Piratin und Publizistin Anke Domscheit Berg, deren Zukunftsvorstellung auf einer Idee der Commons, einer Wirtschaft des Teilens ohne Profitinteressen basiert. Ausgangspunkt dieser Idee ist die sich mit rasanter Geschwindigkeit vollziehende vierte industrielle Revolution, deren große Antriebsfedern neue Technologien wie 3-D-Drucker sind. Solche Innovationen gelte es, nicht allein den Konzernen zu überlassen, sondern für eine »demokratische Produktion« zu nutzen. Das heißt, die zunehmende Technologisierung als Chance auf ein besseres Leben für alle zu begreifen, nicht als Wegweiser in eine.

Schließlich gibt es auf dem Zukunftskongress auch warnende Stimmen, wie die von Birgit Mahnkopf. Die Sozialwissenschaftlerin mahnt, bei aller Einigkeit über die weltweite bestehende ökonomische Krise nicht die sich unweigerlich aus dem Kapitalismus ergebende ökologische Katastrophe zu ignorieren.

Die große Kunst der Zukunftswoche besteht nun darin, all diese Ideen zu ordnen und daraus eine Utopie zu formen. Dann hätte die Linke wieder etwas, was nicht nur Frigga Haug seit dem Scheitern des realen Sozialismusversuchs schmerzlich vermisst.

www.dasND.de/Zukunftswoche

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln